Die Technologische Ordnung

Es ist der „technologische Fortschritt“, auf den so viele Menschen vertrauen. Egal ob es um eine Lösung der Klimakatastrophe geht, die zukünftige Energieversorgung oder einfach nur das neueste Smartphone, das noch besser, noch schneller, noch größer als seine Vorgänger sein soll. Technologie soll permanentes ökonomisches Wachstum garantieren und dabei zugleich negative Einflüsse auf Ökosysteme und Lebewesen verhindern oder kompensieren. Technologie ist die Lösung, auf die alle vertrauen.

Dabei gibt es allen Grund, Technologie auch in einem anderen Licht zu betrachten: Ist Technologie nicht auch für viele der Probleme, die sie nun lösen soll, überhaupt erst verantwortlich? Und wird Technologie nicht vor allem für streitbare Lösungen von Problemen eingesetzt, beispielsweise zur Produktion von immer tödlicheren Waffen oder auch zur Überwachung von Menschen. Wir neigen dazu, diesen Aspekt des „technologischen Fortschritts“ für gewöhnlich auszublenden. Stattdessen verklären wir teils die Rolle von Technologie. Wir machen sie verantwortlich für Errungenschaften, mit denen sie kaum bis gar nichts zu tun hat. Beispielsweise ist es eine ebenso gängige wie falsche Meinung, soziale Netzwerke, insbesondere Facebook, Twitter und Youtube hätten die Aufstände des sogenannten „arabischen Frühlings“ erst möglich gemacht. Im Gegenteil: Indem Regierungen Zugriff auf die dort gespeicherten Daten bekamen, war es ihnen möglich, viele Aufständische zu identifizieren und zu verhaften.

Ein anderes Beispiel ist die (drohende) Klimakatastrophe. Überall verspricht mensch sich von Technologie Lösungen, die Treibhausgasemissionen verhindern sollen, sei es durch neue Energiequellen, Speicherlösungen, die diese Gase in Gesteinen einsperren oder eine intelligentere Nutzung der produzierten Energie. Aber hat das blinde Vertrauen in Technologie nicht überhaupt erst zur Klimakatastrophe geführt?

Bei einer näheren Betrachtung lässt sich meist feststellen, dass technologische Entwicklungen die bereits bestehenden Strukturen der Gesellschaft stärken. Der Zentralismus unseres Stromnetzes beispielsweise begünstigt kapitalistische Unternehmen und verhindert dadurch die Nutzung regenerativer Energiequellen. Die zentralistische Infrastruktur des Internets – und da kann noch so oft davon geredet werden, das Internet sei dezemtral, dadurch wird das nicht wahrer – begünstigt die Überwachung und Kontrolle von Menschen, sowie die Zensur unliebsamer Inhalte. Und die große Verbreitung von motorisierten Individualverkehrsmitteln ist für die Automobilindustrie sicherlich lukrativer als die Herstellung von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Technologie ist also immer abhängig von der Gesellschaft, in der sie entsteht und sie neigt dazu, sowohl gängige Vorstellungen dieser Gesellschaft zu reproduzieren, als auch bestehende Machtverhältnisse innerhalb dieser Gesellschaft zu stärken. Ich will damit nicht sagen, dass es grundsätzlich auch technologische Entwicklungen geben kann, die genau das Gegenteil bewirken, doch in der Mehrheit werden technologische Entwicklungen immer das bereits bekannte udn bestehende abbilden.

Aus diesem Grund halte ich es für notwendig, eine kritische Distanz zu technologischen Entwicklungen einzunehmen. Technologie ist ein Werkzeug. Um damit echte Lösungen entwickeln zu können, bedarf es zunächst einmal einer Gesellschaft, die an diesen Lösungen überhaupt interessiert ist.