Klimaerwärmung, Klimawandel oder Klimakatastrophe?

Klimaforscher*innen auf der ganzen Welt beobachten derzeit einen Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur; und sie sagen einen erheblichen weiteren Anstieg für die kommenden Jahrzehnte vorraus. Dieses Phänomen ist unter vielen Namen bekannt: Klimaerwärmung und Klimawandel sind wohl die gebräuchlichsten davon. Als Ursache für den bereits beobachtbaren, sowie den prognostizierten Anstieg der Temperaturen werden unterschiedliche, sogenannte Treibhausgase ausgemacht. Die wichtigsten dieser Gase sind das bei Verbrennungsvorgängen entstehende Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan (entsteht beispielsweise durch intensive Viehzucht).

Treibhausgase sind in der Lage, die Wärme der Sonneneinstrahlung zu absorbieren und diese dann an ihre Umgebung abzugeben. Die Folge einer steigenden Konzentration dieser Gase in der Atmosphäre ist ein Anstieg der Temperaturen. Soweit so gut, wird es also ein paar Grad wärmer auf der Welt. Dann können wir zukünftig an der Nordsee Urlaub machen, statt nach Italien zu fahren, denkt manch eine*r dazu. Der Begriff Klimaerwärmung impliziert das oder ein ähnliches Szenario. Aber der erste Eindruck täuscht, glaubt mensch der Einschätzung zahlreicher Klimaforscher*innen. Ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen würde demnach nicht nur zu einer Klimaerwärmung führen, sondern zu einer tiefgreifenden Wandlung des Klimas mit regional ganz unterschiedlichen Auswirkungen. Der Begriff Klimawandel beschreibt diese Auswirkungen auf jeden Fall präziser, doch auch er berücksichtigt nicht die zum Teil katastrophalen Folgen einer solchen Entwicklung:

Ein Anstieg der Temperaturen könnte binnen kürzester Zeit zu einem Abschmelzen der Polkappen führen. Das dort in gefrorener Form vorhandene Süßwasser würde schmelzen und ins Meer fließen. Das bedingt wiederum eine ganze Reihe von Entwicklungen

Die offensichtlichste: Der Meeresspiegel würde ansteigen, einigen Vorhersagen zufolge um mehr als einen Meter bis zum Jahr 2050. Dadurch würden zahlreiche bewohnte Regionen weltweit im Meer versinken. Würde der Meeresspiegel von heute auf morgen ansteigen, würden rund 180 Millionen Menschen ihren Lebensraum verlieren. Außerdem würden zahlreiche landwirtschaftlich genutzte Flächen verloren gehen. Die davon am stärksten betroffenen Regionen liegen in den Ländern Bangladesch, Ägypten, Pakistan, Malediven, Indonesien und Thailand. Die betroffenen Menschen wären gezwungen, ihre Existenzen aufzugeben und in andere Regionen zu fliehen. Zum Vergleich: 2018 befanden sich weltweit 68,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Viele von ihnen starben auf gefährlichen Fluchtrouten oder müssen unter unmenschlichen Bedingungen in Lagern leben. 150.000 Quadratkilometer Land würden insgesamt überschwemmt werden. Das würde zu einer weiteren Erwärmung der Temperaturen beitragen, da die Meeresoberfläche deutlich mehr Wärme absorbieren kann. Das begünstigt einen weiteren Anstieg des Meeresspiegels.

Doch ein Abtauen der Polkappen hätte noch andere Folgen: Durch ein Absinken des Salzgehalts (Süßwasser verdünnt das Salzwasser des Meeres) könnten zentrale Meeresströmungen zum Erliegen kommen. Diese haben zum Teil großen Einfluss auf das Klima in vielen Regionen. Kommen sie zum Erliegen, verändert sich das Klima in diesen Regionen drastisch.

Generell würden durch einen Anstieg der durchschnittlichen Temperaturen weitere bewohnbare Flächen vernichtet werden. Sie würden zu unbewohnbaren Wüsten werden. Viele empfindliche Ökosysteme wären bedroht. Kippen sie, sind die Folgen für an sie gekoppelte Ökosysteme kaum abzuschätzen.

Generell gilt für die meisten Folgen einer globalen Erwärmung, dass ihr Einfluss auf das Leben von Menschen und anderen Lebewesen nur sehr schwer abzuschätzen ist. Als relativ sicher gilt jedoch, dass die meisten Entwicklungen, sind sie erst einmal in Gang gekommen, kaum mehr rückgängig gemacht werden können. Dabei könnten viele der bereits heute prognostizierten Entwicklungen potenziell Lebensbedrohlich für betroffene Menschen sein. Dem versucht der Begriff Klimakatastrophe Rechnung zu tragen.

Von den verheerenden Folgen einer sich abzeichnenden Klimakatastrophe wären paradoxerweise zunächst vor allem die Menschen, die im globalen Süden leben, betroffen und nicht ihre Verursacher*innen aus dem globalen Norden. Das ist vermutlich einer der Gründe, warum sich im globalen Norden kaum irgendwer ernsthaft dafür interessiert, die Klimakatastrophe aufzuhalten. Und diejenigen, die das doch tun, setzen ihr Vertrauen in die Politik. Sie richten ihre Forderungen an die Staaten und verlangen staatliche Programme zur Reduktion von CO2. Das scheint jedoch unmöglich mit dem permanenten Wachstumskurs der Länder vereinbar zu sein. Überhaupt erscheint es mir symptomatisch, sich angesichts kollektiv verursachter Probleme an eine scheinbare Autorität zu wenden und damit die eigene Verantwortung von sich zu weisen. Das wird die entsprechenden Probleme aber nicht lösen. Vielmehr entspricht das einem Ignorieren des Problems.

Allerdings, das muss ich zugeben, erscheinen die eigenen Handlungsmöglichkeiten angesichts einer drohenden Klimakrise äußerst beschränkt. Eine Reduktion des eigenen Konsumverhaltens mag zwar das eigene Gewissen verbessern, doch da die Produktion heute in vielen Branchen kaum noch abhängig von der Nachfrage ist, dürfte auch dieser Weg kaum eine relevante Wirkung zeigen. Natürlich ist es erforderlich, den praktizierten Konsum drastisch zu reduzieren, doch wer glaubt, da durch individuelles Handeln eine relevante Veränderung herbeiführen zu können, lügt sich in die eigene Tasche. Welche Möglichkeiten gibt es also, um selbstbestimmt etwas gegen eine drohende Klimakatastrophe zu tun? Autos anzünden? Die Energieinfrastruktur blockieren? Sicher alles interessante Gedanken, die in Zukunft bestimmt noch eine wichtige Rolle spielen werden, aber ist es dafür nicht ohnehin längst zu spät?

Vielleicht müssen wir einsehen, dass wir innerhalb einer kapitalistischen Gesellschaft kaum eine Möglichkeit haben, gegen eine Klimakatastrophe zu kämpfen. Vielleicht müssen wir einsehen, dass die drohende Klimakatastrophe mehr oder weniger bald eintreten wird und das alles, was wir tun können ist, eine Gesellschaft zu schaffen, in der es möglich sein wird, einen geeigneten Umgang mit dieser Katastrophe zu finden. Eine herrschaftsfreie, solidarische Gesellschaft, die die Opfer dieser Katastrophe nicht im Stich lässt und in der Lage dazu ist, einen gemeinsamen Weg aus dieser Krise zu finden. Ich jedenfalls kann mir eine akzeptable Lösung einer Klimakatastrophe innerhalb der heutigen Gesellschaft, die auf Herrschaft, Ausbeutung und Unterdrückung basiert, nicht vorstellen.