Die Zukunft entscheidet sich nicht an einem Freitag

Die sogenannten „Fridays for Future“-Schulstreiks an Freitagen haben sich in den letzten Monaten vielerorts – so auch in München – zu einem Dauerärgernis entwickelt: Für die Schulleitungen, für rechte Spinner, die sich über streikende Schüler*innen ganz besonders aufregen können, aber auch für antiautoritäre Personen, die die Proteste beobachten.

Ich möchte gleich zu Beginn deutlich differenzieren: Ich erkläre mich durchaus solidarisch mit Schüler*innen, die der massiven Repression durch Schulleitungen und Staat ausgesetzt sind – so werden mittlerweile gar Ordnungsgelder fürs „Schule schwänzen“ verhängt – und ich befürworte jede Eskalation in diese Richtung: Zeigt es den autoritären und machtgeilen Arschlöchern in den Schuldirektionen! Sie haben keine Macht über euch! Dennoch lehne ich Form und Inhalt des Protests entschieden ab.

Zunächst einmal richten sich die „Fridays for Future“-Demonstrationen ganz konkret an den Staat und abgeordnete Politiker*innen. Von diesen wird die Umsetzung unterschiedlicher (ausformulierter) Ziele gefordert. Ganz unabhängig davon, dass ich es als Anarchist*in ganz grundsätzlich für den falschen Weg halte, sich mit Forderungen oder Bitten an irgendeine Autorität zu wenden: Glaubt ihr wirklich, dass sich jemals auch nur ein*e Politiker*in ernsthaft für euch und eure Forderungen interessieren wird? Ihr seid zwar überraschend viele Schüler*innen und einige Unterstützer*innen, aber ihr stellt weder eine Mehrheit, noch habt ihr die nötigen finanziellen Mittel, um euren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Gegen euch habt ihr dagegen eine riesige und auch finanziell ganz gut ausgestattete Lobby von Automobilkonzernen, Energieunternehmen und vielen weiteren Industriezweigen, ganz abgesehen von einer großen Mehrheit der Bevölkerung, die nicht bereit ist, auf bestimmte Annehmlichkeiten zu verzichten. Sprich: Euer Weg war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, warum verfolgt ihr ihn weiter? Schlimmer noch: Warum distanziert ihr euch von nicht friedlichen Formen des Protests? Glaubt ihr wirklich, eure Ziele lassen sich friedlich erreichen?

Apropos Ziele:
Habt ihr keine weitergehende Kritik an dieser Gesellschaft? Meint ihr mit der Beendigung der Klimaerwärmung wäre alles gut? Ihr fordert eine Zukunft für euch, aber was ist mit der Zukunft und der Gegenwart von anderen? Im kapitalistischen System werden Menschen immer ausgebeutet und erniedrigt werden. Wenn ihr daran etwas ändern wollt, genügt es nicht, den Klimawandel zu beenden, es bedarf eines Umsturzes der Gesellschaft, einer Abschaffung von Herrschaft.

Ich bin überzeugt davon, dass viele von euch darüber schon nachgedacht haben. Verwerft diesen Gedanken nicht einfach, lasst ihn euch nicht von anderen ausreden. Tragt ihn auf die Straße, konfrontiert euren Protest damit, probiert neue Wege des Protests aus.

Nur so bleibt ihr unbequem!