[Berlin] Hausbesetzung endet mit U-Haft – Solidarität mit Primbo

Im Rahmen der „Tu mal wat“-Tage in Berlin haben Menschen das Haus in der Landsberger Allee 54 besetzt, ein Villa-artiges Gebäude auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei, das seit sieben Jahren leersteht. Am selben Abend noch wurde die Besetzung von der Polizei mithilfe von Schmerzgriffen und Schlägen brutal geräumt. Bei der Räumung gab es mehrere Verletzte, unter anderem eine gebrochene Rippe durch die Misshandlungen der Polizei. Ein*e Besetzer*in, Primbo, die*der Personalien verweigert, befindet sich jetzt in der JVA Berlin-Lichtenberg in U-Haft. „Deswegen haben wir als FLINT* Gruppe das angrenzende Amtsgericht in der letzten Nacht mit einem Farbfeuerlöscher und Dosen verschönert. Denn Knäste und Gerichte arbeiten Hand in Hand und sind Angriffs- und Kritikgegenstand unserer Praxis. „Free Primbo“ hinterließen wir an der Wand und schicken damit Grüße in den Knast!“

Quelle: Indymedia und noch mal Indymedia

[Berlin] Glasbruch bei Engel & Völkers

„Wir haben in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag für Risse in der kapitalistischen Stadt gesorgt. Getroffen hat es die zwei Scheiben von Engel & Völkers in Friedenau, gemeint waren die ökonomischen Zwängen die dafür sorgen, das Menschen tagtäglich aus ihren Wohnungen fliegen, das horrende Dividenden bei Wohnungsunternehmen wie DW oder Vonovia ausgezahlt, das Menschen auf der Straße leben müssen… […] Das, was wir zum Leben brauchen, müssen wir uns nehmen. Tu mal was!“

Quelle: Indymedia

[Berlin] Schlösser mehrerer Immobilienbüros verklebt

„Als Vorboten der Tu mal Wat Aktionstage bleiben heute zahlreiche Immobilienbüros vorerst geschlossen. Denn wir haben in der Nacht vom 23.09. zum 24.09. etwa 20 Türschlösser in vier Bezirken mit Nadeln gespickt und Sekundenkleber verklebt. Wir haben uns für diese leicht nachahmbare Aktionsform entschieden, um weitere Menschen zu motivieren an den bevorstehenden Aktionstagen und darüber hinaus aktiv zu werden.“

[Paris] Riots während des „Marschs für das Klima“

Am Samstag, den 21. September, fand in Paris die „Marche pour le Climat“ statt. „Einige Minuten nach Beginn der „Marche“, die von den Spezialist*innen der Tatenlosigkeit und des sozialen Friedens organisiert worden war, hat das normalerweise befriedete folklorische Flanieren eine ganz andere Wende genommen: Banken, Institute und Läden des fünften Arrondissement wurden angegriffen und mehrere Schaufensterscheiben sind zerschellt. Eine gute Anzahl Wütender haben die E-Scooter [!] sehr gut eingesetzt, die schwer genug sind, um die Fassaden von Banken, Versicherungsagenturen [und zweier] Kulturzentren zu zerschmettern… Andere haben auf der Fahrbahn die wilden Feuer gefüttert…“ Es wurde getaggt und Farbe auf Hauswände gespritzt, Bushaltestellen wurden zerlegt und Werbeplakate mit antikapitalistischen Plakaten überklebt, Mülleimer angezündet sowie unzählige Läden kaputt gehauen. Es kam zu einer wilden Demo, Barrikaden wurden errichtet und Menschen haben sich Schlachten mit den Bull*innen geliefert. 160 Menschen wurden in Gewahrsam genommen, neun von ihnen sind immer noch eingeknastet.

Quelle: Sans attendre demain

wer mobbt hier wen?

Letztens spazierte ich durch Sendling, als ich einen Tag entdeckte, der mir seitdem quer im Magen liegt: „Yuppies aus der Hood mobben.“ Positive Bezugnahmen auf Mobbing verursachen bei mir immer heftigste Bauchschmerzen, denn ich selbst war Mobbing ausgesetzt gewesen und ich leide bis heute darunter. Es macht mich sogar richtig wütend, wenn offenbar jemand keine Ahnung hat, was Mobbing eigentlich bedeutet und es als gutes Mittel im Kampf gegen Gentrifizierung betrachtet. Mobbing als Kampfmethode oder sei es auch nur als Metapher zu verwenden, ist genauso widerlich wie Vergewaltigungsmetaphern zu gebrauchen: „Fick die MVG“ mit aufgemaltem Penis daneben ist zum Beispiel ein Tag, den mensch in Giesing findet.

Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen Mitteln, um sich gegen Feind*innen der Freiheit zur Wehr zu setzen und Mobbing. Mobbing ist, wenn eine oder mehrere Personen sich (mehr oder weniger) willkürlich eine Person heraussuchen, die sie systematisch fertig machen und sich dann fadenscheinige Begründungen dafür zurechtlegen, warum sie das tun. Meist ist dabei irgendeine Form von Strafgedanke für ein imaginiertes und zugeschriebenes „Fehlverhalten“, meist irgendeine Form der Normabweichung, die Ausrede, um Menschen fertigzumachen. Dabei trifft Mobbing häufiger Angehörige marginalisierter Gruppen, jedoch kann Mobbing grundsätzlich jede*n treffen. Mobbing zeichnet sich weiterhin dadurch aus, dass das Umfeld, in dem das Mobbing geschieht, nicht eingreift, wegsieht, es kleinredet oder sogar mitmacht oder zumindest mitlacht. Das Mobbingopfer wird isoliert, und dadurch, dass es isoliert ist, wird es noch mehr als „berechtigt“ angesehen, diese Person fertig zu machen, denn sie sei ja komisch, weil sie immer alleine rumhänge. Mobbing ist eine hässliche Gewaltspirale, aus der es meist keinen Ausweg zu geben scheint, außer dieses Umfeld komplett zu verlassen, in dem das Mobbing geschieht, sei es durch Gehen, Suizid oder Amoklauf. Mobbing ist so eine hässliche Form der Macht- und Gewaltausübung gegenüber einer Person, dass ich schreien könnte, wenn irgendwer Mobbing für eine geeignete Methode hält, um gegen Feind*innen der Freiheit vorzugehen. Mobbing ist eine widerliche Form des Psychoterrors, eine so heftige Form der autoritären Machtausübung, dass sie dazu führt, dass Personen, die von Mobbing betroffen waren, noch Jahre bis Jahrzehnte später an den Folgen leiden, und innerlich der Person, die eine*n fertiggemacht hat, immer noch Macht über sich geben, selbst, wenn diese schon längst kein Teil ihres Lebens mehr ist. Mobbing ist Machtausübung, ist Herrschaft im Kleinen (oder im Großen, je nach Maßstab). Es ist richtig heftig, was Mobbing für Auswirkungen auf jemanden haben kann. Minderwertigkeitskomplexe, Bindungsängste, Symptome posttraumatischer Belastungsstörung, Selbstunsicherheit, Alpträume. Noch heute, gut zehn Jahre, nach dem gut ein Jahr andauernden Mobbing und einem weiteren Jahre kompletter Isolation in meinem damaligen sozialen Gefüge – also meiner Schule damals –, habe ich mit Nachwirkungen zu kämpfen, habe ich Paranoia, dass eine Gruppe, die in der Nähe von mir lacht, sich über mich lustig macht, dass ich auf einmal in bestimmten Situationen, die wohl Triggerwirkung bei mir haben, Panik bekomme, dass ich komplett ausgeschlossen bin, dass mich keine*r mag, dass mich alle meiden, und das, obwohl ich eigentlich ganz sicher weiß, dass das nicht der Fall ist.

Es ist eine Sache, sich gegen Menschen auch mit Gewalt zur Wehr zu setzen, die Macht über dich ausüben wollen oder dies auch tun. Doch mensch muss sich da auch immer des Maßes bewusst sein, denn solche Handlungen können auch von Verteidigung bzw. Gegenangriff zu Mobbing und zur Ausübung von Herrschaft werden. Es ist eine Sache, wenn du für eine Sache angegriffen wirst, die real die Einschränkung der Freiheit von Menschen zur Folge hatte oder hat, du also einer wahren Kritik ausgesetzt bist, die mit einer tatsächlichen Machtposition zu tun hat. Mobbing ist allerdings etwas anderes.

Mobbing ist eine Methode der Isolation und Kleinmachung einer Person, eine Methode zur Selbstprofilierung und zur Machtausübung, Mobbing kann ein Machverhältnis umkehren, wenn du z. B. deine*n Lehrer*in mobbst, oder eine*n Bullen*in oder deine*n Chef*in. Es bleibt jedoch ein Machtverhältnis, in dem lediglich du die Rolle des*r Machtausübenden übernimmst. Mobbing zerstört Herrschaft nicht, Mobbing ist Herrschaft. Mobbing ist niemals eine Verteidigungs- und Angriffsstrategie im Kampf für die eigene Freiheit! Wer Mobbing für ein geeignetes Mittel hält, egal für was, ist mein*e Feind*in.

Anarchistische Zeitung aus München