Schlagwort-Archive: Nigeria

[Nigeria] Gefängnisausbrüche, niedergebrannte Polizeiwachen, Regierungsgebäude und Banken …

Infolge der Aufstände, die mit der Forderung nach Abschaffung der berüchtigten Special Anti-Robbery Squad (SARS) (dt. etwa Spezialeinsatzkommando für Raubüberfälle; Anm. d. Übers.) Polizeikräfte in Nigeria begann, haben Revolutionär*innen Polizeiwachen, Regierungsgebäude und Banken überall im Land niedergebrannt. Revolutionär*innen haben außerdem in den Staaten Ondo und Delta Aktionen durchgeführt, die es Gefangenen ermöglichten zu fliehen.

Am Mittwoch wurde außerdem das Oberste Gericht auf Lagos Island [1] in Brand gesetzt.

Ein großer nigerianischer Fernsehsender mit Beziehungen zu einem Mitglied der regierenden Partei wurde ebenfalls niedergebrannt, während der Palast des ältesten traditionellen Anführers von Lagos geplündert wurde.

Militante widersetzen sich der Ausgangssperre, greifen Banken und das Rathaus von Aba an

Trotz einer 24-Stunden-Ausgangssperre, die von der Staatsregierung von Aba verordnet wurde, setzten Militante der EndSARS-Bewegung am Mittwoch das Rathaus von Aba in Brand, in dem das Sekretariat des Regierungsdistrikts Aba South sitzt.

Vor dem Eintreffen der Protestierenden waren die Beamten der Nigerianischen Sicherheits und Bürgerwehr (NSCDC), einer paramilitärischen Gruppe geflohen.

Militante haben außerdem drei First Generation Banken und ein Einkaufszentrum im Stadtbereich um die Etche-Straße angegriffen.

Die Revolutionär*innen hatten bereits am Dienstag die Polizeiwache der Dragons Squad gestürmt und zwei Polizist*innen der Einrichtung getötet. Zuvor hatten sie die Polizeiwache von Eziama an der Aba-Ikot Ekpene Straße angegriffen.

Die Protestierenden widersetzten sich einer 24 stündigen Ausgangssperre und zogen durch den zentralen Asa-Aba Motor Park von wo sie die Tore zum Rathaus von Aba aufbrachen und es in Brand steckten. Selbst mehrere von der Polizei errichtete Straßensperren um zentrale Straßen in der Stadt, die von Soldat*innen geschützt wurden, konnten die Militanten nicht davon abhalten, öffentliche Gebäude abzufackeln. Die Verkehrskontrollposten der Polizei wurden in den meisten Gebieten der Stadt zerstört.

Zwei Polizeiwachen, die von Ekeaba und Kpiri Kpiri wurden am Dienstag von Revolutionär*innen in Abakaliki, der Hauptstadt von des Staates Ebonyi niedergebrannt.

Über 600 Militante zogen von einem Ort zum Nächsten und sangen dabei Kriegslieder.

Die in den Wachen stationierten Polizist*innen waren aus Angst vor Angriffen geflohen, als sie sie näherkommen hörten.

Unter anderem setzten die Militanten den Hauptsitz des Fernsehsenders Television Continental (TVC), der Lagos Concession Company (LCC) in Lekki, den Lagos BRT Kopfbahnhof in Oyingbo und das Unternehmenshauptquartier der Nigerianischen Hafenaufsicht (NPA), sowie den Palast des Obas (eine Art König, Anm. d. Übers.) von Lagos, HRH Rilwan Akioulu II in Brand.

Polizeiwache von Igando niedergebrannt, Polizist getötet

In Lagos griffen Revolutionär*innen die Polizeiwache von Igando an, brannten sie nieder und töteten einen Polizisten. Ein anderer Polizist, von dem gesagt wurde, dass er der Leiter der Wache sei, wurde zu Brei geschlagen und zum sterben zurückgelassen. Sowohl die Polizeiwachen von Makinde und Ajah, als auch das Gebäude der Regionalentwicklungsbehörde von Ejigbo wurden ebenfalls angegriffen. Die Angriffe waren die Rache für die Ermordung von 12 Protestierenden durch Sicherheitspersonal in der Nacht des Dienstags an der Mautschranke von Lekki.

Der Leiter der Wache wurde mit Holzplanken angegriffen. Eines der Schweine, das auf die Revolutionär*innen schoss, wurde von den Militanten zu Boden geworfen und zu Tode geprügelt. Andere Polizist*innen flohen. Daraufhin stürmten die Kämpfer*innen die Wache und trugen Elektronik und andere Wertgegenstände heraus.

Polizeiwache von Makinde angegriffen

Als die Revolutionär*innen die Division von Makinde angriffen, schlugen sie die Polizist*innen in die Flucht. Schnell stellten sie fest, dass Verstärkungsanforderungen bei anderen Polizeiwachen unbeantwortet blieben, während die militanten Jugendlichen sich auf einige der Polizisten stürzten, in die Wache eindrangen und ihrer Waffen und Uniformen plünderten. Drei Banken der neuen Generation wurden von den Militanten ebenfalls angegriffen.

In Imo wird sich der Ausgangssperre widersetzt und Polizeiwachen niedergebrannt

Im Staat Imo brannten einige Pro-EndSARs Protestierende am Mittwoch einige Polizeiwachen nieder; trotz einer von der Staatsregierung verordneten 24-stündigen Ausgangssperre. Die betroffenen Polizeiwachen umfassen die Polizeiwachen von Nworieubi im Regierungsbezirk Mbaitoli die Polizeiwache der Bezirkspolizei von Orji im Regierungsbezirk Owerri North, sowie im Njaba lokalen Verwaltungsbezirk. Auch die Bezirkspolizeiwache von Umuguma im Regierungsbezirk Owerri West und andere Polizeiwachen wurden von den Protestierenden angegriffen.

Ondo: APC, PDP Büros und SARS Büro niedergebrannt und ein Gefängnisausbruch

In Akure im Staat Ondo drangen Revolutionär*innen in das Sekretariat der Demokratischen Volkspartei PDP ein und setzten sie in Brand. Das passierte nur Stunden nachdem das Sekretariat der regierenden All Progressive Congress-Partei APC des Staates Ondo ebenfalls zerstört worden war. Auch zwei Fahrzeuge wurden von den Militanten in Brand gesteckt. Das Büro der Special Anti-Robbery Squad SARS in der Hauptstadt ebenfalls niedergebrannt. Das PDP Staatssekretariat in Alagbaka in der Metropole von Akure wurde von nicht weniger als 50 Militanten in Brand gesteckt.

Am Donnerstag brachen Militante in das Okitipupa Gefängnis im Staat Ondo ein und befreiten die Gefangenen.

Nicht weniger als 58 Gefangene wurden während des Angriffs befreit.

Ein Fahrzeug wurde abgebrannt und mehrere Gegenstände wurden während des Angriffs zerstört.

Es wird berichtet, dass Protestierende um den Kings Square a, 19. Oktober in der Stadt Benin, der Hauptstadt des Staates Edo die Mauern des Hauptgebäudes des Nigerianischen Staatsgefängnisses eingrissen hätten.

Gefängnisausbruch im Okere Gefängnis in Warri im Staat Delta

In der Strafanstalt von Warri wurde von einem Gefängnisausbruch berichtet, als Revolutionär*innen das Gebäude stürmten und zahlreiche Gefangene aus der Einrichtung entkamen.

Der Angriff der Militanten gab den Gefangenen die Gelegenheit den Gefängniszaun niederzureißen und in die Freiheit zu entkommen.

Ein Teil des Gefändnisses, in dem die Akten der Gefangenen aufbewahrt werden, wurde von den rebellierenden Gefangenen niedergebrannt.

Der äußere Teil des Gefängnisgebäudes wurde von den Militanten ebenfalls in Brand gesteckt.

Revolutionär*innen in Nigeria werden mit großem Mut gegen die Unterdrückungskräfte tätig. Bewaffneter Kampf, der auf die Polizeikräfte abzielt und Handlungen, die es Gefangenen erlauben, in die Freiheit zu entfliehen sind inspirierend für Kämpfe auf der ganzen Welt. Anarchist*innen und Abolitionist*innen sollten ihre internationale Solidarität mit den Aufständen in Nigeria durch Direkte Aktionen zeigen.

Anmerkungen

[1] Lagos Island ist die Hauptinsel von Lagos, der größten Stadt Nigerias. Auf ihr befinden sich die meisten Regierungsgebäude, sowie der Palast des traditionellen Königs von Lagos.

 

Übersetzung eines englischen Berichts bei AMW English vom 23. Oktober 2020.