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[Italien] Neue Konfrontationen gegen die Ausgangssperre

[Wie es häufig der Fall ist, sobald diese Art Straßensituation ausbricht, die uns überraschend begegnet, werden sich viele fragen, wer diese Meuterer sind, die gegen die Ausgangssperre in Italien (quasi eine Wiederkehr dieser guten alten Normalität) protestieren und was sie wollen, und dabei versuchen ihre Wut in kleine Kästchen zu quetschen, anstatt sich zu fragen, was wir wollen, wir, mit revolutionären anarchistischen Ideen, Praktiken und Perspektiven, die sich nicht auf diese neue Restriktion der Herrschaft beschränken. Nicht nur, um innerhalb dieser Proteste zu agieren (oder auch nicht), sondern auch daneben oder außerhalb davon.

Seitens der Sprecher*innen des Staates haben die großen italienischen Zeitungen zum Beispiel entschieden, an diesem Morgen des 27. Oktober den, je nach Städten, sehr heterogenen Charakter der anfänglichen Demonstrationen hervorzuheben, ein bisschen wie bei den französischen Gelbwesten, ebenso wie den Aspekt der „Stadtguerilla“, und dabei beispielsweise in Turin auf die beiden verfeindeten Ultra-Gruppen der beiden Fußballvereine (Juventur und le Torino) verwiesen, wie auch auf Gruppen von jungen „immigrierten Vandalen“, wie auch auf diverse „Verschwörungstheoretiker“ und Einzelhändler: man muss dazusagen, dass die Zerstörung und manchmal Plünderung der Luxusboutiquen in der Via Roma (Apple Store, Gucci, Geox, etc.) und in vielen anderen angrenzenden Straßen durch 600 Randalierer beispielsweise der Bereitschaftspolizei bis spät in die Nacht Arbeit verschafft hat. In Mailand ebenso, wo es insbesondere die Einkaufsstraße Corso Buenos Aires war, die „Freiheit, Freiheit“ rufend durchlaufen wurde, dann die Umgebung der Stazione Centrale, wo eine große Zeitung aus dem Norden großen Spaß daran hatte, auf „die Gruppe [von 300 Demonstranten hinzuweisen], die gleichzeitig aus Italienern und aus Ausländern bestand, aus einigen Militanten der Forza Nuova [rechtsradikale Gruppe], aber auch aus Anarchisten“. Übrigens soll es Prügeleien gegeben haben zwischen Faschos, die dagegen waren, Schaufenster zu zerstören, und sich damit als informelle Ordner versuchten („man rührt keine Läden an, wir sind für was anderes da“), und Gruppen Jüngerer unterschiedlichster Herkunft, die im Gegenteil gekommen waren, um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen, und das nicht nur gegen die Polizei.

Das verspricht zukünftig einige schöne Polemiken*, die man hier [in Frankreich] bereits von den berühmten limitanten Milieus kennt, natürlich hinsichtlich der Stadt und der Kontexte, die variieren können (Neapel ist nicht Triest, Mailand ist nicht Rom, etc.), zwischen sich karikaturenhaft an diesen Demonstrationen beteiligen, um die Faschos von dort zu vertreiben (einschließlich mit Praktiken, die sie schwieriger teilen), letztere zu übertrumpfen und andere Möglichkeiten zu bieten, oder diesen lokal verrosteten Versammlungen entfliehen, um die Gelegenheit zu nutzen, dass die Cops dort gut beschäftigt sind, um woanders und anders zu agieren… einschließlich gegen andere weniger offensichtliche Ziele als die Cops und das städtische Mobiliar gerichtet und ohne irgendetwas von der Herrschaft zu fordern.

In Turin wie auch in Mailand gab es auch Angriffsversuche von den „Regionsbesetzungen“ [sièges de Région] (diese Versammlungen fangen häufig einige Stunden vor der Ausgangssperre auf großen Plätzen an, ehe sie zu wilden Demos werden), und in Neapel, den dritten Tag in Folge, haben hunderte junge Leute erneut die Cops auf bewegliche Art und Weise angegriffen und mit städtischem Material Barrikaden gebaut. Lasst uns schlussendlich auch präzisieren, dass es wilde, verwüstende Versammlungen ohne Umzug [cortège] in anderen Städten als Turin, Mailand und Neapel gegeben hat – manchmal auf Initiative rechtsradikaler Kreise und von Händlern, aber nicht nur – wie Pescara, Vicenza, Perugia, Genova, Foggia, Pesaro, Triest, Bologna, Florenz, Lecce (mit Slogans wie „Lieber das Risiko eingehen an Covid zu sterben als die Gewissheit zu verhungern“), Campobasso, etc. Die offiziellen Zahlen von diesem Morgen melden mindestens 5 Verhaftete in Turin (darunter zwei für die Plünderung von Gucci und einer für Vuitton) und 28 in Mailand (darunter 13 Minderjährige und eine Anarchistin).

* Man könnte beispielsweise diese Sammlung an anarchistischen Texten bezüglich der Gelbwestenbewegung (wieder) lesen [24 Seiten, August 2019, nur auf Französisch]

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AFP, 26. Oktober 2020 (Auszug)

Die Schließung der Restaurants und Bars ab 18 Uhr und von allen Theatern, Kinos und Sporthallen für einen Monat hat die Wut und Sorge in einem Land geweckt, das bereits sehr hart von zwei Monaten Lockdown im Frühjahr getroffen worden war und das dieses Jahr die schlimmste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg erwartet.

Nach bereits bewegten Versammlungen an diesem Wochenende in mehreren Städten der Halbinsel, haben sich die Demonstrationen an diesem Montag fortgesetzt, mit ihren Prozessionen der Gewalt im Norden und im Süden des Stiefels.

In Mailand, Hauptstadt der Lombardei (Norden), die Region, die die höchste Anzahl an Infektionen meldet, haben sich mehrere hundert Demonstranten Montag abend im Stadtzentrum der Bereitschaftspolizei entgegengestellt. Straßenbahnen wurden beschädigt, Mülltonnen angezündet, Zweiräder umgeworfen und einige Schaufenster eingeworfen, wie es die Bilder zeigen, die von den italienischen Medien live gesendet werden.

Die Ordnungskräfte antworteten auf die Flaschen-, Rauchbomben- und Molotowcocktailwürfe mit Tränengas. Ähnliche Ereignisse fanden auch in der Nachbarstadt Turin statt, wo laut der Polizei mehrere Demonstranten verhaftet wurden.

In Neapel, der großen Stadt im Süden, haben mehrere tausend Personen die Abdankung des Präsidenten der Region Kampanien gefordert, ehe sie sich zerstreuten. Sporadische Konfrontationen zwischen vermummten Demonstranten und den Cops folgten hingegen während des ganzen Abends.

Quelle: Sans Nom, Artikel vom 27.10.2020, übersetzt aus dem Französischen