All posts by Zündlumpen

Farbe für Immobilienbüro im Westend

In der Nacht auf Montag, den 26.10.2020 bekam ein Immobilienbüro in der Parkstraße im Münchner Westend den Unmut eines oder mehrerer Angreifer*innen über das Treiben seiner Eigentümer*innen zu spüren: Durch mehrere Farbkugeln wurde die Fassade des Büros besudelt. Bemerkt wurde der Schaden wohl erst am Morgen darauf, als ein übereifriger Anwohner, dem schmutzige Fassaden wohl ein Dorn im Auge sind, die Cops rief.

Lasst uns das Gefühl vom Draußen-Sein nicht vergessen, und auch nicht den Geschmack von Freiheit

Dieser Text erschien bereits im April 2020 während des ersten weltweiten Lockdowns unter Vorwand des Coronavirus. Angesichts täglicher Meldungen über erneute Lockdowns wegen einer „zweiten Welle“ aus allen Regionen weltweit und besonders anlässlich eines in Deutschland anstehenden zweiten Lockdowns ist seine Wiederveröffentlichung aktueller, als wir je angenommen hätten. [Anm. d. Red.]

Innerhalb von nur einer Woche kann sich heutzutage sehr viel ändern. Die Welt scheint sich so schnell zu drehen, mensch könnte jede Minute seinen Browser refreshen und sehen, dass schon wieder eine neue Maßnahme der sozialen Kontrolle in Kraft getreten ist.

Zunächst waren die Läden noch voll von panischen Einkäufer*innen, und wir konnten dieselbigen mit den Armen voller gestohlener Waren verlassen, später dann haben wir uns verstohlen durch unsere eigenen Nachbarschaft bewegt, haben heimlich Dinge in nun leeren Läden mitgehen lassen, haben uns klandestin in Hinterhöfen getroffen, einfach nur um der sozialen Interaktion willen, und mussten dann dazu übergehen, Zettel mit uns zu führen, die uns das “Recht” auf das Atmen von frischer Luft einräumen sollen. Und all das innerhalb von nur einer Woche.

Niemals zuvor schien die Polizei so präsent zu sein und noch nie war sie so freudig erregt wie jetzt, da sie den Status der sozialen Helden zugesprochen bekommen hat. Und wir, wir, ducken uns tiefer als jemals zuvor, wenn wir in der Nacht unser Unwesen treiben und das Geräusch eines vorbeifahrenden Autos hören.

Die Gefühle von Angst als auch von Regeltreue sind schon fast mit Händen zu greifen, selbst sogenannnte Anarchist*innen ermutigen uns dazu, zu Hause zu bleiben und den drakonischen Gesetzen zu gehorchen, die unsere Leben einschränken. Sie sagen, es gehe um Sicherheit, wir sagen, es geht um Kontrolle.

An einigen Orten sind nächtliche Ausgangssperren das neue “normal” geworden; so hat zum Beispiel der französische Präsident allen Stadtverwaltungen erlaubt, wo immer und wann immer sie wollen zwischen 20 Uhr und 6 Uhr eine Ausgangssperre zu verhängen. Aber Ausgangssperren werden die Verbreitung des Virus nicht stoppen. Sie werden lediglich dazu führen, dass Leute, die lieber in der Nacht Sport treiben, oder Angehörige von Risikogruppen, die es vorziehen ihre Hunde dann auszuführen, wenn die Straßen leerer sind, um die Risiken einer Ansteckung für sich gering zu halten, gezwungen werden, all das tagsüber zu tun. Gerade Ausgangssperren sind ein deutliches Zeichen dafür, welcher eigentliche Zweck hinter diesen staatlichen Maßnahmen steckt: Es geht nicht darum, ein Virus in Schach zu halten, sondern darum, eine Bevölkerung in Schach zu halten.

Gerade jetzt, wo die Unruhe steigt, wo in zahllosen Gefängnissen überall auf der Welt Unruhen, Riots und Hungerstreiks ausbrechen, wo die wirtschaftliche Dreifachbedrohung bestehend aus ‘keiner Arbeit – Miete zahlen müssen – Mäuler stopfen müssen’ zunimmt, wo die dauernde Belästigung durch die Polizei immer größer wird, da steigt die Wut in möglichen Teilnehmer*innen an insurrektionalistischen Aufständen beim Anblick der Balkone, auf denen die Leute jetzt immer so passiv sitzen und applaudieren. Der Staat ist sich diesem Risiko nur allzu bewusst, sie wissen um die Möglichkeiten, dass ein Massenmietstreik ausbricht und dass sich die Leute einfach nehmen werden, was sie zum Leben brauchen, und der Staat weiß auch um das Risiko, dass, wie es ja schon passiert ist, nun zunehmend Cops angegriffen werden, wenn sie andere Menschen tyrannisieren.

Wenn es dem Staat nicht gelingt, diese Wut unter Kontrolle zu bekommen, oder es ihm nicht gelingt, sie einzig und allein auf das Virus zu richten, dann wird er überrannt werden; der Winter ist bald vorbei, und mit jedem Tag, den die Menschen drinnen verbringen, sehen die sonnigen Straßen einladender aus. “Bleibt zuhause” sagen sie, aber wie lange können sie das noch wiederholen? In Spanien, Italien, Marokko und Tunesien (und wahrscheinlich noch vielen anderen, unbenannten Orten), reicht es nicht mehr, dass immer nur zu sagen, sondern es muss auch mit Gewalt durchgesetzt werden. Jeden Tag ist dort die Armee auf den Straßen, die die Straßen verbarrikadiert, Bewegungsfreiheiten einschränkt und Leute tyrannisiert (in Spanien zum ersten Mal seit dem Fall des Francoregimes). Überall auf der Welt tun Polizeieinheiten oder die Armee so etwas momentan.

Als Nihilist*innen fanden wir den jetzt berühmt gewordenen Ausspruch vom “social distancing” ja schon immer gut. Wir haben uns schon immer von dieser verabscheuungswürdigen Gesellschaft und allem, was sie uns bieten möchte, ferngehalten. Wir haben “Arbeit” ersetzt durch “Kriminalität” (wofür es nur ein paar wenige Menschen und offene Räume braucht, wobei “Arbeit” Hunderte von Menschen in engen, geschlossene Räumen benötigt), wir beschränken unseren Kontakt zu der ansteckendesten Krankheit von allen, der Autorität, und wir begnügen uns mit engen Beziehungen zu Freund*innen und Mitverschwörer*innen während wir uns von Chef*innen, Kolleg*innen, Verwaltungsbeamt*innen, Fahrkartenkontrolleur*innen, Cops und so weiter fernhalten.

Aber das ist nicht die Art von social distancing, die sie von uns wollen. Sie wollen nicht die Art von social distancing, die das mörderische Unterfangen beenden würde, einen überfüllten Bus zum überfüllten Arbeitsplatz zu nehmen oder die uns daran hindern würde, eine Polizeiwache zu betreten. Sie wollen die Art von social distancing, die uns auseinander bringt.

Jede*r von uns ist neuerdings zu einer tickenden Zeitbombe mutiert, ist eine abstoßende, kranke, infektiöse und monströse Kreatur, die sich und andere hassen sollte und sich von anderen Menschen so weit wie möglich fern zu halten hat. Für diejenigen von uns, die von der Gesellschaft schon vorher als abstoßend befunden wurden (Queere, Transmenschen, Sexarbeiter*innen, Junkies, HIV positive Menschen) mag das kein sonderlich neues Gefühl sein, aber jetzt betrifft das Krankheitsstigma uns alle.

Es hat dazu geführt, dass wir Angst vor menschlichem Kontakt haben, Angst vorm Umarmen, vorm Küssen, vor Treffen auf offener Straße oder bei uns zu Hause, es hat dazu geführt, dass wir mit unseren Liebsten “zoomen” anstatt sie im realen Leben zu treffen, dass wir Google Maps für virtuelle Spaziergänge mit Freund*innen nutzen, anstatt wirklich und wahrhaftig rauszugehen, mit dem Wind auf unserem Gesicht oder der Sonne auf unserem Rücken.

Wir sind genau dort, wo uns der Staat haben will; einsam und isoliert, alleine und depressiv, es ist uns nicht möglich, die Haut von denen, die wir lieben anzufassen oder die Hand ein*er Freund*in zu halten, und gleichzeitig sind wir über unsere IP und Mac Adressen unglaublich leicht lokalisierbar, aufspürbar und überwachbar.

Einige von uns sehen die, die sie lieben, vielleicht über Monate hinweg nicht. Wir sind “gelockdowned”, die Möglichkeiten zur freien Bewegung werden weniger und weniger und viele von uns akzeptieren das, weil wir den Glauben, dass wir das Risiko sind, internalisiert haben.

Aber das Problem sind nicht wir, nicht mal das Virus selbst ist das Problem. Das Problem sind Staaten, denen es egal ist, ob gewisse Leute sterben, Staaten, die immer mehr und mehr Macht anhäufen wollen, Staaten, die jetzt völlig ungestraft überall all die neusten Maßnahmen zur Überwachung austesten. Selbst sentimentale Liberale, die oft wenigstens noch die schlimmsten Auswüchse von Überwachung kritisiert haben, verstehen diese jetzt als “nötig” und feiern es sogar, wenn solche Maßnahmen eingeführt werden. Um hier mal den größten linken Schwachkopf Owen Jones (britischer Politiker der britischen linken Labor Partei), Held der Linken, aus Großbritannien zu zitieren “Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mal erleichtert sein würde, zusammen mit Millionen anderer von einem Polizeistaat unter der Führung von rechten Tories (rechtskonservative Partei in GB) unter Hausarrest gestellt zu werden.”

Doch wir weigern uns, der Verzweiflung anheim zu fallen. Wir weigern uns, diese neue Form des Existierens auszuhalten. Innerhalb unserer eingegrenzten Aufenthaltsorte haben wir Wege und Mittel gefunden, um die Isolation zu durchbrechen, um geheime Treffen abzuhalten, Zusammenkünfte und Parties zu organisieren. Wir fälschen Schreiben über angebliche Arzttermine mit deren Hilfe wir uns weiter von unserem Wohnort wegbewegen können als offiziell erlaubt. Wir tauschen Adressen von Freunden untereinander, sodass wir uns innerhalb der Stadt von Ort zu Ort bewegen können ohne uns je zu weit von “zu Hause” wegzubewegen. Wir lernen andere Arten der Fortbewegung kennen und nutzen; denen schon lange bekannt, für die die Tore Europas seit jeher geschloßen sind (Laster, Güterzüge, andere Fortbewegungmittel, die für den “Warenverkehr” benötigt werden, usw). Wir finden neue Wege, um uns durch die Stadt zu bewegen, wie Seitengässchen, U-Bahn Tunnel, Bahnschienen und entdecken alte Methoden der Fortbewegung wieder, wie zum Beispiel das gute alte Fahrrad.

Außerdem haben wir gemerkt, dass es Anhaltspunkte dafür gibt, dass Maske und Handschuhe dazu beitragen die Polizei, wenn du denn zufällig auf sie triffst, davon zu überzeugen, dass du ein “gesetzestreuer Bürger” bist. Es reduziert die Wahrscheinlichkeit, an Checkpoints aufgehalten zu werden und wenn doch, dann erhöht es die Chancen, dass du ohne weitere Probleme wieder laufen gelassen wirst. Das sind scheinbar gute Neuigkeiten.

Klar gibt es da draußen viele, die uns verantwortungslos nennen, die uns erzählen, dass wir uns selbst und andere gefährden würden. Zusätzlich zu dem “Fick dich”, das wir ihnen entgegenschleudern, lässt sich noch Folgendes sagen. Wir entscheiden selbst, uns dem Risiko auszusetzen, unsere Freund*innen und die Menschen, die wir lieben, entscheiden sich selbst dazu, sich dem Risiko auszusetzen. Wie schon gesagt, social distancing ist etwas das wir mit einem Großteil der Gesellschaft bereits tun. Außerdem ist Entscheidungsfreiheit genau das, worum es hier geht, wir ENTSCHEIDEN uns dafür, uns dem Risiko auszusetzen, Supermarktmitarbeiter*innen oder Deliveroo Lieferant*innen haben keine solche Wahl, über ein Risiko zu entscheiden, dem sie aber ausgesetzt sind, ebenso wie Gefangene keine Wahl haben; all diese Leute haben am Tag zehn mal mehr soziale Interaktionen als wir es haben und stellen für sich selbst und andere ein viel größeres Risiko dar, als wir es tun, wenn wir unsere Freund*innen besuchen. Der Unterschied ist, dass die Leute den Wert, den eine Wirtschaft hat, als wichtig erachten, ebenso wie sie die Herrschaft von Gesetzen anbeten. Sich gegenseitig bringen sie aber keine Wertschätzung entgegen, und auch nicht ihrem eigenes Glück und ihrer Freiheit.

Wenn wir die Straßen jetzt aufgeben, bekommen wir sie dann je zurück?

Wenn wir verinnerlichen, dass es normal ist, Abstand zu denen zu halten, an denen uns etwas liegt und Nähe nur zu denen zu suchen, mit denen zusammen wir Wert anhäufen, werden wir uns dann je wieder daran erinnern, wie mensch Nähe zu anderen aufbaut?

Wenn wir unsere Leben einmal dem Staat aushändigen, bekommen wir sie dann je zurück?

Warum sollten wir den Befehlen jener gehorchen, die systematisch Gesundheitssysteme kaputtgemacht haben, jene Gesundheitssysteme, die jetzt Leben retten könnten?

Warum sollten wir denen zuhören, die so viele Millionen Menschen an AIDS und EBOLA haben sterben lassen, weil die es nicht wert waren, gerettet zu werden, aber jetzt in Panik verfallen, weil es endlich ein Virus gibt, dass auch vor weißen reichen Männern nicht Halt macht?

Warum sollten wir denen zuhören, die Zigmillionen in Banken, die Polizei, Armeen, große Konzerne und Grenzkontrollen pumpen und den Rest von uns verrotten lassen?

Ist es denn immer noch nicht klar geworden, dass der Feind der ist, der uns erzählt, dass wir Abstand voneinander halten sollen, wogegen wir widersprechen? Wir sagen: Abstand vom Staat, nicht Abstand von unseren Freund*innen.

Wenn mehr von uns diese Geisteshaltung annehmen würden, wenn mehr von uns auf den Straßen wären, dann wäre es für sie schwieriger, uns zu kontrollieren. Ja, das würde auch heißen, dass es mehr Infektionen gäbe, mehr Tote, mehr Brualität; aber hinterfrage dich mal ernsthaft, lebst du gerade eigentlich? Zu Hause sitzend, mit einem kostenlosen Porn Hub Abo und einer betäubenden Droge deiner Wahl…? Können wir bitte wenigstens ein bisschen mehr “Leben” vor dem Tod haben…

 

Übersetzung des Textes “We must not forget the feel of the outdoors not the taste of freedom”, aus dem zine “It’s the end of the world as we know it, volume II” im April im Down and and out Distro erschienen

Gegen das sterile Überleben

Schon vor paar Monaten geschrieben, jetzt wieder ausgegraben…

Die Angst vor der Katastrophe prägt das Denken einer Bevölkerung, welche sich selbst nicht mehr anders wahrnehmen kann als als Zahlen in einer Statistik. Selbst komplett von ihrem lebendigen Kern entfremdet, haben sich die allermeisten schon daran gewöhnt, einen Grossteil ihres Lebens vor Bildschirmen zu verbringen, während der reale, ansteckende, gefühlvolle und auch konfliktive, intensive, oftmals schwierige, aber allemal lebendige Kontakt mit den Menschen immer mehr eine Unbekannte bleibt. Alle verstecken sich hinter ihrer Maske, abgeschottet in ihrer Blase, welche sie nicht mal mit den Nächsten teilen, und wissen nicht, was eigentlich das Potential von menschlicher Beziehung sein könnte. Stattdessen flüchtet ihre Sehnsucht in Ersatz-Befriedigungen – sei es die Pornografie oder sei es die Protagonisten der Serien, welche in den Gesprächen oftmals die Rolle der besten Freunde einnehmen – da Freundschaft sonst kaum bekannt ist. Individualität wird mit Identitäten verwechselt, etc. etc. etc. All das zu schildern ist mir jetzt zu blöd, jeder kann es weiterspinnen – jeder kann es, sei es als Kritik an andern oder an sich selbst weiterdenken.

Was ist Leben? Angst vor der Katastrophe? Angst vor dem Tod? Anpassung, Überlebenssicherung und Isolation? Was würdest du machen wollen, wenn du mit gewissen Vorerkrankungen an allen möglichen, sonst eher harmlosen Viren draufgehen könntest? Die ganze Welt in ein Gefängnis verwandeln, dich isolieren und vegetieren? Scheinbar ja. Oder zumindest angeblich. Dies ist zumindest die Figur, vielleicht grossteils fiktiv, welche als Argument hinhält, dass die grösste Katastrophe die wäre, dass das Sterberisiko der ohnehin schon gefährdeten Menschen statistisch etwas ansteigen könnte. Während zur Abwendung dieser Realität jeder Einschnitt, jede absolute Unterwerfung angebracht erscheint – vorübergehend natürlich.

Aber was heisst vorübergehend? Die Konditionierung wird Spuren hinterlassen und das soll sie auch. Die Integration in die technologische Welt, die Ersetzung realer Beziehungen durch Bildschirme und Lautsprecher – sie erhält jetzt einen massiven Schub. Es ist auch kein Wunder, dass eine der Hauptfiguren der WHO – Bill Gates höchstpersönlich (ja sorry, is halt so…) – schon seit Jahren ein solches Szenario herbeifaselt, wie es sich jetzt abspielt. Dass er dabei ein finanzielles Interesse hat – keine Frage. Aber auch Pharmaunternehmen, nicht zuletzt etwa Bayer, mischen bei der WHO kräftig mit. Aber ja: hier soll nicht eine Verschwörung behauptet werden – diese dystopischen Szenarien diskutieren diese Leute ja auch immer ganz öffentlich – vielmehr repräsentiert die WHO halt eine Fraktion des Kapitals, zumindest steht sie der einen näher als der anderen– was wohl kaum geleugnet werden kann.

Die Technologisierung der menschlichen Beziehungswelt (oder vielmehr deren fortlaufende Abschaffung) und die Entwirklichung unserer Leben gehen voran. Aber – mit dieser «Disruption», welche sich gewisse Teile des Kapitals schon immer erhofft haben, während die einzelnen Staaten vielleicht teils eher widerwillig dem Diktat der «world governance»-Politik der WHO folgen – wird auch vieles offengelegt, was vorher als eher absurde Zukunftsszenarien bisher noch die allermeisten als auf jeden Fall ablehnenswert eingeordnet hätten. Wer hätte bis vor kurzem nicht gesagt, dass eine komplette, landes-, ja, europaweite Ausgangssperre, komplette Grenzschliessungen, etc., nicht ihre komplette Ablehnung gefunden hätte – und zwar mit egal welchem Grund diese durchgesetzt würden. Und wer hätte dies nicht für einen feuchten Traum von Faschisten gehalten, welche hierzulande zumindest noch etwas Zeit benötigen würden, um fähig zu sein, sich an die Macht zu putschen? Zumindest hätten viele ihren Widerstand angekündigt…

Doch der Vorwand greift, und die medial inszenierte Panik (man sollte vielleicht beginnen, sich die Namen und Gesichter dieser Panikprofiteure zu merken) hält bisher die Schockstarre aufrecht und versucht einen smoothen Übergang zu was auch immer die Herrschenden als nächstes entscheiden werden. Aber er greift auch teilweise nicht. Der Unmut ist gross. Und das Wesen des Staates zeigt sich gerade allzu offensichtlich…

Dass das alles niemand so erwartet hätte – mag sein.

Verbrenne alle Bibeln

Vor einiger Zeit stöberte ich in einigen individualistischen anarchistischen Ephemera und stieß dabei auf einen Artikel, der von einer Debatte zwischen zwei Egoist*innen erzählte. Das Thema, um das es in dieser Debatte ging ist nicht relevant für das, was ich hier sagen möchte. Was relevant ist, ist die Art und Weise auf die die Debattierenden ihre Standpunkte stützten. Keine*r dieser vorgeblichen egoistischen Individuen nahm sich die Zeit, sein*ihr eigenes Argument zu entwickeln und anhand ihrer*seiner gelebten Erfahrungen oder eigenwilligen Selbstschöpfung darzulegen … Nein, stattdessen zitierten sie Kapitel und Paragraph der Schrift von Max Stirner, als ob diese eine heilige Schrift wäre.

Ich hätte von fanatisch gläubigen christlichen Idioten oder massenverblödeten marxistischen Schwachköpfen erwartet, dass diese ihre heiligen Schriften auf diese Art und Weise durchsucht hätten, um ihre Deutung ihres Glaubens zu stützen. Schließlich besitzen diese einen Glauben, eine Heilige Schrift, Propheten und Gottheiten. Aus ihrer eigenen Sicht macht es Sinn, dass solche nichtsnutzigen, glaubensfanatischen Idioten sich ihrer Schrift zuwenden, anstatt selbst zu denken und zu fühlen. Immerhin könnte solch selbstbestimmtes Denken und Empfinden gut und gerne dazu führen, dass sie die eintönigen und beschränkten Doktrinen ihres Glaubens anzweifeln würden … Und wo kämen sie da hin?

Aber für diejenigen, die behaupten selbstbestimmte und eigensinnige Individuen zu sein, ist es eine Absurdität, ein tiefgreifender Widerspruch, sich auf irgendetwas oder irgendjemanden außer ihnen selbst zu berufen, um die eigenen Ideen zu stützen, für diejenigen, die sagen, dass sie ihr Leben und ihre Worte im Rahmen ihrer Möglichkeiten so gestalten, wie sie es wollen, ist es eine Absurdität und ein Widerspruch, irgendein Buch als heilige Schrift oder irgendeinen Denker als Propheten zu behandeln. Für jede*n selbst ernannte*n Individualist*in oder Egoist*in ist es nicht nur eine schwerwiegende Beleidigung, Stirner oder Nietzsche als Propheten und ihre Schriften als Bibel zu behandeln, sondern schlimmer noch, es enttarnt sie als eine*n weiteren dämliche*n Jünger*in in der unglückseligen Herde der Gläubigen. Es ist egal, dass er seinen Glauben „Individualismus“ oder „Egoismus“ nennen mag; es bleibt eine Form sklavischer Dienstbarkeit gegenüber einer höheren Macht ihrer eigenen Schöpfung. Andernfalls hätte er kein Bedürfnis nach einer heiligen Schrift, nach einer Bibel, die er zitieren kann, weil sie durchaus in der Lage wäre, für sich selbst zu sprechen und zu handeln.

Verstehe mich nicht falsch. Ich liebe die Schriften von Stirner und Nietzsche. Diese Typen waren klug. Sie konnten komisch, poetisch und stürmisch sein. Es gibt eine Menge in ihren Schriften, das es wert ist, zu stehlen, um es in deine eigene Weise, wie du mit deinem Leben und deinen Welten spielst, zu verweben. Aber sobald du diese Schriften wie eine Bibel behandelst, stiehlst du nicht länger aus ihnen für dein eigenes Stück. Stattdessen hast du dich diesen selbst unterworfen, du hast diese Schriften in etwas geheiligtes verwandelt, das du anbetest … du hast sie in eine Bibel verwandelt.

Ein wahrhaft eigenwilliger Selbstschöpfer wird es ablehnen an eine Bibel gebunden zu sein, irgendeiner Schrift zu dienen. Bei dem kleinsten Anzeichen dafür, dass eine solche Unterwerfung begonnen haben könnte, wird sie bereit sein, ihre Bibel zu verbrennen. Aber Feuer ist nicht das einzige (und ebensowenig notwendigerweise das beste) Mittel, um eine Bibel zu verbrennen. Was der Selbstschöpfer in diesem Fall verbrennen will, ist der sakrale Griff mit dem das Buch ihn gebannt hält, der ihn dazu bringt, daraus nicht Werk- und Spielzeuge daraus für sein eigenes Stück der Selbst- und Weltschöpfung zu stehlen, sondern darin universell anwendbare Antworten zu suchen. Um diese Heiligkeit auszulöschen, um sie niederzubrennen, ist das beste Werkzeug die sarkastische Verhöhnung und das Gelächter. Sarkasmus und Verachtung, die so oft und großzügig angewandt werden, wie nötig, um den Makel des heiligen vollständig auszulöschen.

Und wenn die Bibeln, die du verbrennen must, die Schriften von Stirner oder Nietzsche sind, die du für die in Heilige Schriften verwandelt hast – Nun, dann hast du Glück gehabt. Diese Schriften bieten selbst endlose Beispiele dafür, wie das Heilige mit der sarkastischen Säure ausgelöscht werden kann. Also stehle diese Klugscheißer-Waffe des Verstands von deinen grinsenden, gottlosen Göttern. Sie sind tot … sie können dich nicht daran hindern! Und dann verleibe sie deiner eigenen, einfältigen, verehrenden Einstellung ein. Dann solltest du feststellen, dass du die Bücher in Werk- und Spielzeuge, mit denen du spielen kannst, zurückverwandelt hast … Und wenn nicht … ?

Dann werfe deinen Stirner und deinen Nietzsche das nächste Mal, wenn du ein großes Lagerfeuer machst, hinein, lache dabei laut und singe „Stirner ist tot! Nietzsche ist tot! Ebenso tot und verschwunden wie Gott!!!“ Denn wenn du schließlich bereit bist, ohne jede Bibel zu leben, kannst du dir immer noch neue Exemplare dieser Bücher stehlen.

Übersetzt aus dem Englischen: Burn all Bibles von Apio Ludd in My Own #24

Zündlumpen Sonderausgabe Nr. 666: Sonderausgabe gegen Silencing und Geschichtsklitterung

Download als PDF

Teilweises Inhaltsverzeichnis:

  • Warum Der Communist gewisse Herrn kritisierte
  • Die Londoner Exilanarchisten und die „Frauenfrage“
  • Minna Kanewi – Zur Frauenfrage
  • Ein befreites Weib – Die Ehe
  • Spiesser-Moral
  • Warum der anonyme P.W. unsymphatisch ist
  • Was Conrad Fröhlich übersetzte
  • Wer war Agnes Reinhold?
  • Minna Kanewi – Frauencharakter und Propaganda
  • Worst of Joseph Peukert
  • Der Communist und die Frauen
  • Minna Kanewi – Familie und Anarchismus
  • Freie Liebe (Aus einer Korrespondenz)
  • Der Kinderfabrikanten-Streik
  • Minna Kanewi – Freie Liebe
  • Gretchen und Helene plaudern auch zum Thema
  • Heldinnen
  • Emma Goldman – Warum ich Johann Most durchpeitschte

[Besançon, Doubs (Frankreich)] Zwei Texte zur Verhaftung eines Gefährten

Besançon: über die Einsperrung eines anarchistischen Gefährten

Indymedia Nantes, 5. Oktober 2020

Am 27. März 2020 wurde ein Mobilfunkmast am Fort de Brégille in Besançon, im Doubs, angezündet. Am 10. April sind zwei andere Masten, die mehrere Dutzend Meter voneinander entfernt standen und auf dem Mont Poupet über Salins-les-Bains, im Jura, standen, in Flammen aufgegangen. Sie sind nicht die Ersten, die ein wärmendes Ende erfahren haben, da seit zwei Jahren mehr als hundert dieser Herrschaftsstrukturen sabotiert worden sind, davon bereits mehr als zwanzig nur in der Zeit des Lockdowns im Frühling – anders gesagt quasi alle zwei Tage einen – und insgesamt um die sechzig seit Beginn des Jahres. Und es sind auch nicht die letzten, da der Kampf gegen die technologischen Käfige sich aufs Schönste fortsetzt, ohne auf die Ankunft von 5G zu warten, um sich die Mobilfunkmasten und Glasfaserkabel vorzunehmen, so sehr sind sie bereits von vielen als Ärgernis identifiziert worden, wenn es um Kontrolle geht, um Überwachung, Entfremdung, Enteignung oder Restrukturierung der Wirtschaft.

Am Dienstag, den 22. September im Morgengrauen, wurden drei Personen in Besançon wegen der Angriffe am Fort de Brégille und in Salins-les-Bains im Auftrag eines Untersuchungsrichters aus Nancy von den Bullen der Section de recherches (SR) des Polizeireviers dieser Stadt und durch die Kettenhunde der Direction interrégionale de police judiciaire (DIPJ) von Dijon verhaftet und ihre Wohnungen durchsucht. Während zwei der beiden nach 24 Stunden entlassen wurden, nachdem sie ihre DNA abgegeben haben, wurde gegen die dritte Person hingegen wegen „Zerstörung durch gefährliche Mittel“ Anklage erhoben und diese schließlich ins Gefängnis von Nancy-Maxéville gebracht.

Diese dritte Person, der die Zerstörung von Mobilfunkmasten während des Lockdowns vorgeworfen wird, ist ein anarchistischer Gefährte aus Besançon, B., der seit langem die Liebe zur Freiheit und den Hass gegen jede Autorität fest in sich trägt. Er ist derzeit in Untersuchungshaft, vorerst für vier Monate mit Möglichkeit der Verlängerung. Darüber hinaus ist im Rahmen dieser Ermittlung zumindest sicher bekannt, dass die Bullerei versucht, DNA-Treffer zu finden, sich für die Körpergröße möglicher Verdächtiger interessiert und sich nicht gescheut hat, mehrere Namen anderer lokaler Gefährt*innen zu nennen, um sie in Gewahrsam zu nehmen. Sie hat sich auch für die IGN-Karten [topographische Karten des frenzösischen Vermessungsamts] interessiert oder für eine anarchistische Broschüre, die aus dem Deutschen übersetzt wurde, „Brûler les foyers du virus technologique“ [1], die sie bei ihren Durchsuchungen gefunden haben. Nach unseren Kenntnissen ist der Gefährte immer noch im Gefängnis von Nancy am Einleben, im Rahmen der automatischen Covid-19-Isolationshaft hat er eine erste Erlaubnis zum Einkaufen erhalten und zeigt gute Miene.

Möge jede*r auf die Art und Weise, die er*sie für die angemessenste hält, sich dem Staatsterrorismus und dem demokratischen Totalitarismus widersetzen, von dem die schöne neue technologische Welt sicher einen seiner Pfeiler bildet. Und da es allgemein bekannt ist, dass Angriff die beste Solidarität ist… jede*m seinen*ihren Mast!

Einige anarchistische und solidarische Kompliz*innen

4. Oktober 2020

––––––-–––––––––––––––––––––––––––––––––––––

[Text ohne Titel der Kumpelinen und Kumpels von B., der nach seiner Verhaftung in den Straßen und Lokalen von Besançon verteilt wurde.]

Per E-Mail erhalten.

Am Abend des Mittwochs, den 23. September, haben wir von der Einkerkerung in U-Haft unseres Gefährten und Freundes B. in die Strafanstalt Nancy-Maxeville in der Lorraine erfahren. Nachdem bei ihm zuhause ebenso wie bei seinem Bruder und einem anderen Gefährten eine Hausdurchsuchung durchgeführt worden war, wurde B. im Rahmen einer Ermittlung bezüglich der Brandstiftung an mehreren Funkmasten im Doubs (27. März) und im Jura (10. April) in Gewahrsam genommen und zum Kommisariat von Besançon gebracht.

Wir haben und pflegen engen Kontakt zu seiner Familie, um sie in dieser schwierigen Phase, die die Einkerkerung einer nahestehenden Person ist, zu unterstützen, aber auch mit dem Ziel, unserem Freund und Gefährten möglichst viel Unterstützung zu bieten. Diese Unterstützung ist bedingungslos und wir befürworten die Handlungen, die ihm vorgeworfen werden und die darauf zielen eine Welt zu zerstören, die uns zerstört, die darauf zielen mörderische Technologien zu bekämpfen, aus einem gesundheitlichen und sozialen Standpunkt wie auch im Hinblick auf die Umwelt und die ebenfalls darauf abzielen, den Wunsch zu bejahen, im Hier und Jetzt und überall außerhalb des Zugriffs und der Kontrolle des Staates und seiner kapitalistischen Verbündeten zu leben.

Wir erheben unsere Stimmen mit seiner, die heute durch das Gefängnissystem einen Maulkorb verpasst bekommen hat, um die autoritären und demütigenden Auswüchse anzuprangern, die uns jeden Tag in unseren Gesellschaften mehr aufgelegt werden. Wir profitieren von dem, was uns an Freiheit bleibt, um unseren Ekel über die Kerker, die heute unseren Gefährten und Freund neben zehntausenden anderen gefangenen Personen einsperren, hinauszuschreien. Unsere Kritik an den Orten der Einsperrung kann sich tatsächlich nur steigern, wenn wir die aktuellen Haftbedingungen kennen, die sich durch die COVID-Maßnahmen verschlimmert haben: Isolation, Besuchsverbot, Verbot von Freizeitaktivitäten, Videokonferenzen…

Um ihn zu unterstützen, findet ihr Spendenboxen in mehreren Städten, die wir euch schnellstmöglich kommunizieren werden. Eine Spendenkasse ist ab jetzt in der Bibliothek Autodidacte an der Place Marulaz in Besançon zu finden. Das Geld wird für die Gerichtskosten und die Reisekosten für seine Familie von Besançon nach Nancy verwendet. Die Kosten für die Haft und das benötigte Geld für den Knasteinkauf werden von der Kaliméro-Kasse übernommen. Momentan verfügen wir noch nicht über die Ermittlungsakten, aber angesichts der Vorwürfe, die B. gemacht werden. riskiert er mehrere Jahren Knast.

Unser Schreiben geht heute um die Einkerkerung unseres Gefährten und Freundes, aber natürlich vergessen wir all die anderen Gefangenen und Verfolgten im Rahmen dieses erbitterten Kampfes gegen die Einführung der neuen Pseudo-Informations- und -Kommunikationstechnologien, die nur den Interessen der Herrschenden dienen, nicht. Ihnen unsere Unterstützung.

Mittwoch, den 30. September,
Einige Kumpels und Kumpelinen von B. aus Besançon

 

Quelle: Sans Nom

Anmerkungen der Übersetzung

[1] Auf deutsch „Die Herde des technologischen Virus anzünden“; diese Broschüre enthält eine Übersetzung des Textes Wann, wenn nicht jetzt? aus dem Zündlumpen Nr. 064, plus anhängig zwei weitere Texte aus derselben Ausgabe Brenn, Funkmast, brenn – eine kleine (unvollständige) Chronik und Flammende Spaziergänge entlang der Bahngleise und einen Text mit dem Titel „Sabotages contre la normalité numérique [Sabotagen gegen die digitale Normalität], erschienen bei Sans Attendre Demain.

[Virus Radio] Das Elend der Linken – Track 1

von DJ SUPERSPREADER

Mit einigen Remixen wird der eigentlich eher langweilige Track DAS ELEND DER LINKEN, ein Klassiker *gähn* 2020 extra neu für euch aufgelegt. Heute spielen wir den ersten Remix, gefeatured von der autonomen Antifa, mit ihrem neuen Antivirus-Programm (diesmal nicht für Windows), welche dem ganzen den moralistischen Touch gibt, der ja nötig ist, damit ihr auch wirklich ausgelassen dancen können. Heyyyy!

Aber zuerst habe ich für euch noch ein tolles Intro im Set, welches das ganze episch einleitet, während danach die Party erst so richtig los geht. Yeah!

„Hate the media“

(Verstoss gegen die Moderationskriterien-mix)

Da der Zündlumpen nach wie vor auf Indymedia toleriert wird, einer Seite welche sich ganz besonders darin hervortut, die Linksradikale als Bewegung zu erhalten, hier ein kleinen Introtrack also. Während Indymedia zwar als Plattform für etliche, beileibe nicht linke, anarchistische Publikationen hinhielt, tat es sich hervor, sämtliches, was zu einer eventuellen Aufklärung des Coronawitzes führen könnte, nach staatlichen oder noch strengeren Massstäben zu zensieren (und zwar Sachen die nicht sozialdemokratischer waren als viele andere Indymedia-Publikationen). Indymedia hat sich also trotzalledem darin hervorgetan, den offiziellen Kampf gegen „Fake News“ mitzuführen, damit es ja nicht zu schnell gehe, bis sich die Erkenntnis Bahn bricht, dass es sich bei Corona um eine nicht allzu spezielle Grippemutation handelt. Trotzdem hat man den Zündlumpen toleriert. Wieso? Haben wir nicht genügend gegen Bill Gates, WHO, Antonio-Amadeus Stiftung, Robert Koch, Drosten, die Prolockdown-Linken, die Maskenträger und andere Covidioten angeschrieben, um eine Zensur verdient zu haben? Haben wir zu lange gewartet, um deutlich zu werden? Wieso tragt ihr noch immer zu eurer eigenen Zersetzung bei?
Solche Fragen stelle ich mir manchmal. Und dann denke ich mir: naja, immerhin verbreiten sich so die Ideen. Und man hat die Gelegenheit noch etwas Skandal zu machen.
Bevor also Indymedia endlich down ist, hoffen wir noch, dass sie uns Plattform bieten um die radikale Linke etwas zu zersetzen. Danke.

Natürlich betrachte ich es auch skeptisch, dass ihr meinen Mix verbreitet, denn schliesslich tragen wir damit auch dummerweise zur Aufwertung eurer Sendung bei, welche sich so mit seiner Toleranz und Extravaganz schmücken kann, und behaupten kann, voll an der Zeit zu sein. Aber so what! Die Hörer werden schon verstehen, woher der Wind weht, und dass Indymedia teil des miefigen Kadavers ist. Und deshalb, Täterätätä:

Das Elend der Linken feat. Antifa

(stayathome-klaustrophobia-mix)

Die Rolle der Linken war jene einer mobili- und moralisierenden Kraft, welche nur schon durch die Andeutung einer Kritik der Aktion der herrschenden, geschweige denn einer möglichen Virusleugnung auf die Palme brachte. Sämtliches Repertoir, welches an anderen Gegenständen eingeübt wurde, wurde eingesetzt, um schlicht und ergreifend Konformismus zu vertreten.

Die Absurdität dieser Sache zu dokumentieren ist eine komische Aufgabe die ich mir setze. Sie fängt damit an, dass die Linken subtil die “Verleugnung” (dass nicht nur die Verleugnung ihnen “Verleugngung” heisst, ist offensichtlich) des Virus als eine Art No-Go-Zone eingerichtet haben. Was das Problem mit der “Coronaleugnung” sei nur schon zu fragen ist eine Art Blasphemie, und zwar eine ähnliche Blasphemie wie die Gottesleugnung. Da allerdings die antifaschistische Linke natürlich die Leugnung Gottes nicht als dieses Tabu meinen kann, ist es ganz klar, dass die Herkunft dieses Kampfes gegen das Leugnen sich um den Holocaust dreht. Nun sind es gerade die Linken, welche den “Hygienedemonstranten” immer wieder, teilweise berechtigterweise, teilweise unberechtigterweise, Faschismusrelativierungen vorgeworfen haben. Jeder Vergleich mit 1933 wird ihnen zur Relativierung der Shoah, so als hätte diese schon 1933 stattgefunden, während aber die eigene, wirklich komplett absurde und geschmacklose Holocaustverharmlosung gerade von den angeblichen Antifaschisten hunderte Male wiederholt wurde. Nämlich der Vergleich von Corona mit dem Holocaust, bzw. der Vergleich der Coronaleugnung als quasi ähnlich (ich wage nur zu sagen “ähnlich” schlimm, auch wenn “gleich” eigentlich die Vorstellung dieser Leute zu sein scheint, und der Vergleich allzu direkt ist) schlimm wie die Holocaustleugnung. Dieser perfide Trick ist scheinbar bisher niemandem aufgefallen. Er bleibt den fanatisierten Konformisten unbewusst, ebenso wie ihnen der strukturells Antisemitismus der ganzen Corona-Hysterie entgangen zu sein scheint (Angst vor einem unsichtbaren, unheilvollen Feind, den man z.B. für „die Krise“ verantwortlich macht; Massenmobilisierung dagegen, als Ablenkung vor wirklichen Problemen etc.).

Aber dieses Denken in “strukturell”, dieses “strukturell” jenes zeigt eben vielmehr gerade seine komplette Beschränktheit auf. Natürlich ist es wahr, dass einige der “Hygienedemonstranten” faschistisch sind, und dass diese Faschisten mit ihrer “Coronaleugnung” durchaus nur ihre eigentliche Bereitschaft zur sozialdarwinistischen “Vernichtung lebensunwerten Lebens” verhüllen. Aber aufgrund dessen dann die Fragestellung überhaupt zu Tabuisieren, ist absurd, zeigt nur den eigenen Willen zur Zensur, und das man den Faschisten scheinbar nichts Substanzielles entgegenzusetzen hat.

Und wie auch? Der Kampf gegen den Faschismus ohne den – glaubwürdigen – Kampf gegen die Faschisisierung der Gesellschaft ist eben Spiegelfechterei. Und wer verlangt, man solle die gegenwärtige Faschisierung einfach ignorieren, weil diese a) unter demokratischem Regime stattfinde, b) unter den Vorzeichen “Schutz der Risikogruppen” (also unter umgekehrten Vorzeichen als der historische Faschismus) stattfinde und c) die als faschistisch geltenden Kräfte (Populismus etc.) nicht die treibenden Akteure sind, der beweist eben nur seinen Demokratismus, Protektionismus und Progressivismus. Und natürlich ist es uninteressant, den gegenwärtigen lockdown einfach als faschistisch abzustempeln. Nicht weil das historische Realitäten relativieren, sondern vielmehr, weil die Gegenwart damit relativiert würde! Und weil diese wenig historische Vergleichbarkeiten kennt, ausser die Kontinuität des Notstandsregierens in all seinen Formen, welche heute ihre totale Eskalation erfährt.

“Der Kampf gegen den Faschismus beginnt mit dem Kampf gegen den Bolschewismus”, sagte in den 1920er-Jahren Otto Rühle, und man fragt sich, wo heute dieser Kampf beginnen müsste. Gegen die Totalität der Herrschaft und des Kapitals zu kämpfen, ist zumindest unsere Absicht. Aber diese will und wollte die Linke ja niemals sehen, sondern vielmehr interessierte sie immer nur eine andere Verwaltung dieser Realität. Für den Staat ist die Verwaltung der Gesellschaft durch die Kanalisierung in links und rechts allerdings eine genehme Sache, und dass die Linke, und zwar bis in die radikaleren Gefilde, heute ihr widerliches, spiessig-moralistisches Gesicht derart offen gezeigt hat, gezeigt hat, dass es ihre Ideologie ist, welche mit dieser Aktion umgesetzt wurde, sei nur festgestellt.

„Ich hoffe aber, dass uns diese Krise näher zusammenbringt.“ (Bill Gates, Tagesschau)

Dass es der linke, kosmopolitische und liberale Arm des Kapitals ist, auf dessen Mist ideologisch und praktisch die gegenwärtige Bewegung (des lockdowns, stayathome, etc) gewachsen ist, sieht jeder, dazu muss man noch nicht einmal allzu genau hinschauen. Dass dabei sämtliche Grenzen geschlossen, sämtliche Menschen isoliert, sämtliche „Freiheiten“ aufgehoben wurden, und was weiss ich noch alles… dass das alles von einer Bewegung die „No Borders“, „Solidarität“ und „Freiheit“ auf ihre Fahnen schreibt eigentlich unterstützt wurde, ist halt so (und zwar auch dadurch, dass nicht davon gesprochen wurde, dadurch, dass man sich beeilte, sofort in der „neuen Normalität“ zu denken, etc.). Auch die radikale Linke hat sich als linker Flügel des Bestehenden entpuppt, wie schon etliche Male zuvor. Aber als linker, ultraautoritärer Flügel. Dass dabei gerade viele theoretische Versatzstücke von der Macht eingesetzt wurden, um ihre Aktion auszuführen und zu decken, sei nur so behauptet. Nur schon die AHA-Regeln könnten auch eine Erfindung eines Awarenessteams sein, welche ja die Normierung des Kontakts zwischen Menschen immer wieder zu absurden Formen treiben wollen.

Ergo die verständliche Präsenz von Faschisten, extremen Rechten, Völkischen und Reichsbürgern an diesen Demos. Diese sind ja ohnehin gegen die Herrschaft des Politisch Korrekten, gegen die Herrschaft der Linken, und soweit haben sie ja auch recht. Es ist dabei durchaus anzunehmen, dass bei diesem Kampf gegen lockdown nicht nur Demagogie dabei ist, sondern ebenso eine ehrliche Opposition gegen linken Totalitarismus, oder wie auch immer man das nennen will. Dass sich die Faschisten dabei den Platz, teils sogar Respekt bei diesen demokratischen Demonstrationen errungen haben, ist keine Wunder. Schliesslich wirken die Faschisten auch halb so gefährlich, angesichts dessen, dass nicht sie die Grenzen geschlossen, die Gesellschaft lagerisiert, jedes Fest verboten, etc. haben. Und dass das schon so ist. Und wenn dann Leute gegen einen demonstrieren, welche einem vorwerfen, mit Faschisten zu demonstrieren und gleichzeitig vorschreiben wollen, man solle doch Maske tragen, zuhause bleiben, sich an die Vorschriften handeln, wieso sollte man dann das irgendwie ernst nehmen?

Soviel Verständnis also für diese Demonstrationen, welche ich aber persönlich nicht besuche. Wieso nicht? Weil mich Demonstrationen ohnehin anwiedern, und weil ich das Grundgesetz noch nichteinmal als Klopapier verwenden würde. Vielmehr denke ich, dass die Subversion anderswo stattfindet als auf legalen Demonstrationen, eingehegt und kontrolliert und politisiert. Momente wie in Stuttgart brodeln überall, dort suche man den Aufstand, oder noch besser: bei sich selbst, und nicht bei jenen, welche sich die alte Normalität, das geringere Übel, sei es Demokratie oder Kaiserreich, zurückwünschen…

Dass diese demokratischen Demonstrationen nun das einzige sind, über was alle Reden, ist allerdings eben ein gutes Ablenkungsmanöver davon, dass man auch selbst etwas tun könnte – gegen die eigene Unterdrückung zu rebellieren, und zwar auf undemokratische Art. Und das Augenmerk, welches die Antifas darauf legen, ist nur ihre Art, die Option der Revolte zu verdecken – vergessen zu machen, dass es noch anderes gibt als die falsche Opposition und die Verteidigung des Bestehenden. Dass der lockdown mehr fragen aufwirft, als ob nun die neue oder alte oder ganz alte Normalität die bessere sei…

„Aber laßt uns dies klarstellen: wenn wir gezwungen sind, zwischen „dem Viralen“ und der Zivilisation der Sicherheit zu wählen, werden wir das Virale wählen. Wenn wir grob werden müssen, werden wir uns für „Grenzverletzungen“ aussprechen müssen.“ (Hakim Bey, 1996)

Bezeichnenderweise waren es vor allem jene Städte und Orte, in denen ein Teil der anarchistischen Bewegung bereits vor Jahren einen Bruch mit der Linken durchgeführt hat und sich auf eigene Beine gestellt hat, wo auch die Aktionsfähigkeit bewahrt wurde, und durch den lockdown nicht eine totale Paralyse stattgefunden hat. Während die Linken stayathome teils in den eigenen WG‘s durchsetzten, gab es eben andere, welche nicht auf den politisch korrekten Grund warteten, um rauszugehen. Die verantwortungslos genug waren, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen, die sich nicht Mobilmachen liessen, vom Apell zur Abwesenheit.

Die Linksradikalen, Autonomen und auch Anarchisten, welche zu Hause blieben, oder das zumindest von anderen forderten (denn natürlich predigt man das Wasser oft nur…), beweisen die Impotenz ihrer Analysen, dieser Gesellschaft irgendetwas substanzielles entgegenzusetzen. Und wenn sie die Analysen sogar hätten, so fehlt ihnen vielleicht selbst einfach die Substanz, nach jahrelanger (Re-)Sozialisierung in einem Milieu, welches die Revolte letztlich neutralisieren muss.

Und doch waren es gerade die „eigenen Räume“, die sie aufgegeben haben. Kulturzentren, Squats, subkulturelle Treffpunkte – alles im lockdown. Die immer unhygienischen, versifften Orte, welche wohl für Risikogruppen nie sehr heimelig waren – auf staatliche Anordnung geschlossen, wenn nicht sogar schon davor.

„Die Hygiene, die sich als Ordnung der bürgerlichen Familie entwickelte, diente der Normalisierung der (sub-)proletarischen Schichten, da sie in ihren Formen zu leben und zu wohnen am weitesten von Normen der bürgerlichen Gesellschaft entfernt waren. Die Hygiene dringt in die Ordnung der Familie ein. Die verschiedenen Formen der familiären Organisation der unteren Schichten sollten normiert werden. Die Kolonialisierung der Familie findet über die Ausbreitung von Normen öffentlicher und privater Hygiene statt…“ bemerkte der allzu postmoderne Jürgen Mümken.

Ebenso kann, wie es dieser auch ausführt, immer wieder festgemacht werden, wie geschichtliche Hygienewellen zu einer massiven Verfestigung der Macht beigetragen haben, wie gerade die Herrschaft ihre Entwicklungsschübe aus solchen „lockdown“-Situationen, Situationen der Durchsetzung neuer „Hygienestandards“, entwickelt hat. Aber das wollte man nicht wissen. Und auch wenn gewisse postmoderne Philosophen sich ausführlichst mit diesen Themen beschäftigt haben: scheinbar hat es nicht dazu geführt, die Mentalität zu entwickeln, welche nötig ist, solche Situationen zu vereiteln. Allerdings nicht – das war ja auch gar nicht die Absicht.
Die Geschichte solcher lockdowns zu schreiben, und auch deren Benutzung zu Zwecken der Aufstandsbekämpfung, wäre bestimmt nicht ganz zwecklos. Ein Fragment des frühen Kommunisten Wilhelm Weitling (bevor es Marxismus überhaupt gab, jaja), geschrieben im Jahre 1838, weist zumindest darauf hin, dass auch diese spezifische Taktik bereits Geschichte hat. Oder war er nur ein phöser Choleraleugner?

„Wenn ein kleines Kind einen Gegenstand verlangt, den man ihm nicht geben will, so macht man es auf irgend einen anderen Gegenstand aufmerksam, um es von seiner Forderung abzulenken. Ebenso machen es unsere Bedrücker mit dem Volke in den Tagen der Krisis. Nach den dreissiger Jahren bediente man sich dazu der Kriegsgerüchte und der Furcht vor der Cholera. Diese letztere wurde besonders unter der Leitung der Regierungen ein kräftiges Mittel, alle revolutionären Tendenzen einzuschüchtern.
Erinnert ihr euch noch alle der Quarantäne-Anstalten vor beinahe jeder grossen Stadt, der Absperrungen von Dörfern, Städten, Provinzen und Ländern, des Verbots des Reisens, der Räucherungen des Geldes und der Briefe usw. Was mich anbetrifft, so kann ich diese Krankheit nicht leugnen, muss aber gestehen, dass ich damals nie an ihre wirkliche, fürchterliche Existenz geglaubt habe. Ich dachte mir eben, das ist eine Epidemie wie jede andere, die man aber absichtlich so grell herausmalt, um sie dadurch zum Schreckbild gegen die revolutionären Bewegungen zu gebrauchen.

O, sie sind klug wie die Schlangen und wir sind einfältig wie die Tauben; man hätte damals mit unsern Schädeln Mauern einrennen können, so hätten wir doch nichts gemerkt.“

„In unserer Furcht vor allen Grenzverletzungen entdecken wir, daß wir selbst neu klassifiziert und als Virus eingestuft worden sind. Diesmal sieht der Mißbraucher/Terrorist nicht nur aus wie Du und ich – er ist Du und ich. Die „Obdachlosen sind kriminell“; jene, die nicht „entrückt“ werden, haben klarerweise „gesündigt“.“ (Hakim Bey, 1996)

Wie auch immer. Die Einfältigkeit allzu vieler Anarchisten und anderer ehrlicher Revolutionäre ist eklatant. In der Naivität wird jede bewusste Kalkulation der Herrschenden abgeleugnet, da man sich nicht eingestehen kann, dass man ihnen sowas eben doch nicht zugetraut hätte. Die klassischen „Verschwörungstheoretiker“, die man glaubte und glaubt, durch Ignoranz bekämpfen zu können, haben es zwar schon lange gesagt, aber richtig glauben können sie es trotzdem nicht: „die“ wollen uns alle einsperren… „jaja, bestimmt“ *augenzwinker*… aber natürlich waren „die“ letztlich andere, und die Paranoia des Verschwörungstheoretikers ist immer noch ein Klammern daran, verstehen zu wollen, wie er das ganze demokratisch kontrollieren könnte, ohne Eigentum und Staat anzutasten, also ohne die Grundlagen, welche Machteliten produzieren, anzugreifen. Denn dies würde auch seine mittelständische Position in Frage stellen, „gute Macht und böse“, christlicher Dualismus in massenverblödeter Form. Aber die Reaktion vieler, allzu vieler, auch Anarchisten, ist jene, einfach so zu tun, als wäre so ein Lockdown halt Business as usual. Als hätte sich nichts geändert. Halt einfach eine Entwicklung des Systems – als hätte man das ohnehin erwartet. Dass man anfang 2020 ohne vorhergehenden Aufstand, ohne massive gesellschaftliche Konflikte, Militärputsch, u.Ä., plötzlich nicht mehr auf die Strasse darf – „ohne triftigen Grund“, keine Versammlungen mehr stattfinden, keine Feste, kein gar nichts. Das will man vergessen. Und allzuoft ebenso, was für ein Teil konformistischer Dynamik man selber war, wie man selber eben konformistisch reagiert hat. Aber das zu vergessen, spielt nur der Herrschaft in die Hände. Vielmehr sollten wir uns doch selber fragen: „wieso habe ich so reagiert?“ Paralysiert, mediengläubisch… wieso mich daran gehalten… wenn es denn so war.

Während ich mir z.B. persönlich immer gedacht habe, man hätte noch ein paar Jahre Zeit, bis man im totalitären Dystopia aufwacht, und man befinde sich dann im Untergrund – bestimmt bewaffnet… was weiss ich… wenn ich mir also ein solches Szenario ausgemalt habe, in irgendwelchen Tagträumen, so immer auch, dass sich dadurch etwas massiv ändern würde. „Bis hierher und nicht weiter!“ Irgendwann ist das Fass voll… Und wie wenig habe ich so reagiert? Und wie wenige um mich rum haben so reagiert? Und natürlich haben wir reagiert. Nicht nur reagiert, wir waren sogar ziemlich agil. Und wer sonst konnte das von sich sagen? Aber trotzdem…

Die Antwort auf die Situation war unangemessen – weil sie uns auf kaltem Fuss erwischt hat. Weil die Szenarien, welche wir erwarten andere waren. Weil wir eigenen Analysen zu wenig getraut haben. Und weil der Angriff schlicht und einfach unerwartet kam.

Und nun versuchen alle diesen unangenehmen Moment zu vergessen – damit es das nächste Mal wieder so ist? Oder sind wir am Brodeln. Am Nachdenken, um das nächste Mal solch einen kritischen Moment der Macht ausnutzen zu können. Und: was heisst das nächste Mal? Ist es denn überhaupt fertig?

Haben wir uns schon „an die neue Normalität“ gewöhnt? Unsre neuen Nischen gefunden, oder alte wieder eröffnet? Sind wir wirklich fähig, so zu leben?

Es wäre beschämend…


Puh, das war mal ein Bombentrack! Auch wenn der Schluss etwas seicht war, meiner Meinung nach. Aber zumindest hatte er zwischendrin einen richtig hämmernden Effekt, gings euch nicht auch so?….

….uuuuund in den nächsten Sendungen erwarten euch noch mehr Remixe, einige davon bombastisch, einige wieder featuring Antifa, und bei einem Remix haben wir sogar ein featuring mit einen Promi auftreiben können: Billy Gates!!! Wer weiss ob uns Indymedia dann noch mag? Wer weiss ob die Linke das überleben wird? Billy Gates wird mit uns einen exklusiven, martialischen, Pandemdiestufe 666 mix machen, soviel sei schon einmal angedeutet! Aber genug für heute, Kinder. Es war eine nice Show und wir hören uns in bald wieder, haltet die Ohren steif!

Chrrrrz… pfffff… tssssssssssss.. chhchchch

Wenn ich schon einen Todesvirus „verbreite“, warum dann nicht „freudig“?

Eine leicht angepisste (ernsthaft, „Was ist eure Position zu Ökoterrorismus bzw. -faschismus?“) Antwort auf einen Leserbrief zum Artikel „Alkoholverbot statt Ausgangssperre

Sind Massensterben und Tod irgendein ein fruchtbarer Boden für ein freiheitliches Leben? Wohl kaum. Und als Autor*in des Artikels „Alkoholverbot statt Ausgangssperre“ würde es mich doch wundern, das gesagt zu haben. Und doch findet sich in diesem Artikel das folgende Zitat – das ich gleich noch weiter kontextualisieren will:

„Nein, wenn ich hier die Logik der Argumente für unsere Einsperrung untersuche, dann nur um zu beweisen, wie idiotisch das Ganze ist, ohne dabei zu verschleiern, dass selbst wenn Covid-19 den Untergang der Menschheit bedeuten würde, ich noch immer die orgiastisch-gewissenlose und freudige Verbreitung eines Todesvirus der sterilen Langeweile und dem vereinsamten sozialen Massensterben vorziehen würde.“

Ist die „einzige Art und Weise mit einer tödlichen Pandemie anti-autoritär umzugehen […] diejenige […], die „freudige Verbreitung eines Todesvirus“ zu betreiben?“, wie du fragst? Habe ich das gesagt? Ich sprach davon, was ich  aus diesen beiden Optionen vorziehen würde. Ebenso wie du finde ich es auch müßig, mir hier irgendwelche Gedanken über meine Möglichkeiten außerhalb dieser „unterjochten Welt“ zu machen. „No Future“ eben. Nein, was ich in diesem Zitat tue, ist zwei – mehr oder weniger genau so – im Raum stehende Möglichkeiten zu vergleichen, die beide in dieser Welt entstanden sind. Ich übernehme dabei freilich auch ein von außen übergestülptes Narrativ – das des absichtlich Corona-verbreitenden Partygängers – auf eine mehr oder weniger sarkastische Art und Weise, das so freilich völliger Unfug ist, denn auch wenn man sich allgemein sicher gerne darüber lustig macht, die Erzählung der „gewissenlosen Superspreader“ für sich übernimmt, so dürfte am Ende doch jede*r mit ein bisschen Sinn für Sarkasmus erkennen, dass Ziel der von mir als „orgiastisch-gewissenlose und freudige Verbreitung“ beschriebenen Weiterführung des Lebens nicht das Verbreiten von Corona oder eben eines gedachten Todesvirus ist, sondern eben sich zumindest nicht auf eine Art und Weise einzuschränken, der umgekehrt „sterile Langeweile und […] vereinsamte[s] soziale[s] Massensterben“ gegenübergestellt wird. Aber vielleicht ist der konkrete Anlass für die Wahl meiner Benennung auch nicht so wichtig und lenkt eher vom Thema ab.

Wichtig finde ich dagegen durchaus, und ich glaube, das weißt du bereits, was ich in meinem Text mit „verbreiten“ meine. Wie verbreitet man ein Todesvirus freudig, könnte man fragen. Und die Antwort ist: Indem man es nicht absichtlich tut, aber eben auch nicht so tut, als gäbe es eine Möglichkeit, auf die Verbreitung des Virus auf einer individuellen oder auch nur kollektiven Ebene zu verzichten. Für mich ist es nicht das individuelle Verhalten und auch nicht das kollektive Verhalten innerhalb der Strukturen unserer Zivilisation, das eine Ausbreitung des Virus verhindert oder befördert. Für mich ist es die Zivilisation, in der wir leben, selbst, die die Verbreitung des Virus – sei es nun ein Todesvirus oder nicht –, bestimmt. Zunehmend sich einander angleichende Lebensbedingungen, Massenmobilität, sowie die kurze Zeitdauer in der es möglich ist, beliebige Strecken zurückzulegen, die globale Vernetzung der Logistik des Kapitalismus, durch hygienische Umgebungen und Gebräuche, sowie einer stets sofortigen medikamentösen Einwirkung verlorengegangene Immunkräfte der Menschen, und vieles mehr, all das spielt für mich eine weitaus größere Rolle für die Verbreitung eines (Todes-)Virus, als es mein individuelles Sozialverhalten – was ja auch nicht ohne das Verhalten meines Gegenübers stattfindet – jemals könnte. Wenn ich also davon spreche, ein Todesvirus „freudig [zu] verbreiten“, dann meine ich nicht etwa, mit einer Spritze umherzulaufen und es anderen zu injezieren (was vielleicht der Ansatz irgendwelcher Ökoterrorist*innen bzw. -faschist*innen wäre, wenn du schon nach meinem Verhältnis zu diesen Ideologien fragst), ja nichteinmal, dass ich mich in ein Flugzeug setze und möglichst viele Orte aufsuche, um in Kontakt mit möglichst vielen Menschen zu kommen, nein ich meine damit raus zu gehen, auf die Straße (den Eintritt in einen Club, ins Theater oder sonstwohin, wo sich drinnen viele Leute versammeln könnte ich mir sowieso nicht leisten, selbst wenn er offen hätte, und ich wollte vermutlich auch nicht) und einfach weiterhin Menschen in meinem Umkreis zu treffen. Das kann freilich niemand so genau wissen, wenn sie*er das Wort „verbreiten“ hört, magst du nun teilweise zu Recht, teilweise zu Unrecht entgegnen. Aber ich denke doch, dass der Kontext meiner Äußerung zumindest das (Ökofaschismus-) Extrem des mit der Spritze rumlaufens oder irgendwie anders ganz bewusst einen Todesvirus in Umlauf bringens, verneint haben dürfte. Falls nicht, dann wäre das aber zumindest jetzt hoffentlich geklärt.

Aber warum dieses „freudig“? Naja, Gegenfrage: Warum denn „traurig“, „schlechten Gewissens“, „emotionslos“, usw.? Warum nicht zur Abwechslung mal freudig? Wenn wir uns tatsächlich in der hoffnungslosen Situation des „Ein Todesvirus geht um“ befänden, würdest du es dann vorziehen, darüber zu verbittern? Ich jedenfalls nicht.

Und will ich „den ‚Untergang der Menschheit‘ vorantreiben?“ Oder wäre ich darüber erfreut? Ich denke das kommt darauf an, wie man den Begriff Menschheit deuten will. Wenn du darin nichts mehr als die Gesamtheit der Menschen siehst, dann freilich nicht, wenn du darin die Spezies Mensch siehst, also vor allem die Frage, ob die Menschen sich eine weitere Generation reproduzieren können, dann ist es mir egal und wenn du darin irgendein Ideal siehst, dem alle Menschen irgendwie unterworfen sind – ohne das jetzt hier im Detail auszuführen, aber gerne ein anderes Mal –, ein Ideal, das auch die Zivilisation zu beinhalten scheint, dann lautet meine Antwort ja. Ja, ich denke ich will den „Untergang der Menschheit“ vorantreiben, auf dass wir uns irgendwann nicht mehr als Menschen, sondern als Individuen begegnen, als einzelne Entitäten und nicht als verschiedene Abbilder desselben Ideals. Aber ich denke das ist nicht das, was du unter Menschheit verstehst.

In deiner falschen Binarität „einer generellen Misanthropie oder […] Zynismus und Arroganz“, in der du meine Äußerung siehst, will ich mich gar nicht verorten und auch die Vorstellung von „Solidarität und Hilfe gegenüber allen unterdrückten Individuen, die sich mir gegenüber ebenso verhalten“ schließe ich doch gar nirgends aus. Aber „Solidarität und Hilfe“ sind für mich andere Fragen, als die Frage danach, ob ich nun rausgehe und dabei ein Virus „verbreite“, oder ob ich mich für etwas anderes entscheide. Und auch wenn ich weiß, dass du es so nicht gemeint haben wirst, will ich dir hier schon aus Rache für die Frage nach meiner Haltung zum „Ökofaschismus“ eine Gegenfrage stellen: Ist dein Einspruch vielleicht doch nichts anderes als, unter Annahme anderer Bedingungen (der Existenz eines Todesvirus), diejenigen, die dann weiterhin rausgehen wollen, mit den Fesseln der Moral zu binden?

Ich jedenfalls sehe die einzige Lösung für die Idee „jegliches unnötige Elend und Leid zu beseitigen und vermeiden“ darin, jeder*m die Möglichkeit zu verschaffen, dies selbst zu tun. Und so drängt es mich danach, die Zivilisation als den fruchtbaren Boden, auf dem „Kapital und Staat“ gedeihen konnten, zu zerstören, auf dass, was immer danach kommen möge, ein*e jede*r sein*ihr Leben in die eigenen Hände nehme.

Ein Leserbrief zu „Alkoholverbot statt Ausgangssperre“ (aus Zündlumpen #074)

Liebe Zündlumpies,

mit Verwunderung habe in euren Text „Alkoholverbot statt Ausgangssperre“ folgendes Zitat gelesen: „[…] dass selbst wenn Covid-19 den Untergang der Menschheit bedeuten würde, ich noch immer die orgiastisch-gewissenlose und freudige Verbreitung eines Todesvirus der sterilen Langeweile und dem vereinsamten sozialen Massensterben vorziehen würde.“ Ich habe an eurer Kritik und Feindschaft gegenüber der Ausgangssperre und den anderen staatlichen Maßnahmen rein gar nichts auszusetzen, jedoch habe ich mich gefragt, inwiefern ihr denkt, dass Massensterben und Tod irgendein fruchtbarer Boden für ein freiheitliches Leben sind. Ich frage mich, ob die einzige Art und Weise mit einer tödlichen Pandemie anti-autoritär umzugehen und sich im Angesicht dieser zu organisieren diejenige ist, die „freudige Verbreitung eines Todesvirus“ zu betreiben. Ich habe dazu keine Antworten, vor allem da die Möglichkeiten dies auszuprobieren in dieser unterjochten Welt ohnehin sehr begrenzt sind und man wohl nur frei von Herrschaft damit experimentieren kann. Mein Punkt ist vor allem derjenige, dass es mich irritiert, dass ihr einer solchen Perspektive des Massensterbens „freudig“ entgegenzublicken scheint. Wollt ihr den „Untergang der Menschheit“ vorantreiben? Hat ein Massensterben irgendeine revolutionäre Perspektive oder sehnt ihr euch danach von euren Liebsten umringt zu sein und diese krepieren zu sehen? Was ist eure Position zu Ökoterrorismus bzw. -faschismus? Dieses Zitat von euch zeugt entweder von einer generellen Misanthropie oder von Zynismus und Arroganz… ein Boden, welcher nicht besonders fruchtbar ist um soziale Revolten und sozial-revolutionäre Perspektiven zu entwickeln. In meiner Vorstellung von Anarchie ist die Feindschaft und der Angriff gegenüber denjenigen, die mich und andere unterdrücken wollen, stets eng verbunden mit einer Grundeinstellung von Solidarität und Hilfe gegenüber allen unterdrückten Individuen, die sich mir gegenüber ebenso verhalten. Aus dem Antrieb sich von Staat und Kapital befreien zu wollen, diese zu zerstören und dafür so viel Gewalt wie nötig anzuwenden, entspringt ebenso die Idee jegliches unnötige Elend und Leid zu beseitigen und vermeiden… im besten Falle spiegelt sich diese Idee von Solidarität in unseren Beziehungen und Gemeinschaften wider, in der Zärtlichkeit, dem Vertrauen, der gegenseitigen Freude und Freundschaft.