Thesen zum Scheitern der Linken im allgemeinen

Es fällt den fraglichen, radikaleren Linken schwer, sich einzugestehen, bei welchen verheerenden Massnahmen sie gerade als – mindestens – propagandistischer Flügel mitgewirkt haben. So ist es klar, dass all jene, welche diese Massnahmen kritisiert haben, mit irgend einem Label angeschmiert werden müssen, welches sie in eine rechte Ecke stellt. Und wieso nicht Sozialdarwinismus?

Die Konkret hat meinen Artikel „Tod den Statistikern“ in ZL Nummer 64 als „sozialdarwinistisch“ und „links“ eingestuft (1). Beides Etiketten von Ideologien und Bewegungen welche ich ablehne. Ich will hier dabei auf den Artikel antworten, welcher auf Englisch gratis im Netz verfügbar ist. Ich beziehe mich dabei auf die englische Version, da mir das Bezahlen eines Artikels zu blöd und zu teuer ist. Leider bin ich arm, und falls ich mal Geld hätte, sollte ich mich vielleicht lieber um eine Krankenversicherung bemühen als mein Geld für die Konkret hinauszuwerfen.

Der Artikel, in dem die fragliche Anfeindung geschieht, fasst die gegenwärtigen Klischees über was es bedeute, wenn man den lockdown und Co. ablehnt, bestens zusammen. Die Kritik verlässt dabei nicht ein einziges Mal den Bereich der Ideologie, weil es klar ist, dass ausserhalb der Ideologie die Individuen die man in die Kategorie „Risikogruppen“ steckt, durchaus nicht die Profiteure des ganzen Regimes waren, sind und sein werden. Vielmehr steigt statistisch (und mehr als um eine statistische Gruppe handelt es sich ja nicht, auch wenn die hier kritisierten sich vielleicht gern als Repräsentanten sehen würden) das Todes-, Armuts- und Krankheitsrisiko gerade dieser Gruppen zurzeit massiv an. Das kann sich jeder ausrechnen, der die gegenwärtige Gesellschaft auch nur ein bisschen verstanden hat. Und da „im Kampf gegen Corona“ – nur so ganz nebenbei natürlich – eine komplette präventive Konterrevolution stattgefunden hat, sich gerade die Linke bis in ihre radikalen Gefilde selbst für diesen Kampf, das heisst: für die Konterrevolution, mobilisiert und ansonsten grösstenteils demobilisiert hat… Ist davon auszugehen, dass die gegenwärtige Gesellschaft so leider noch etwas weiterbesteht. Zumindest aber wird die Revolution von der Fraktion #stayathome nicht ausgehen, welche in ihrem „Einvernehmen mit der Polis, dem Staat“ (Herbert Marcuse) so solidarisch war, der Polizei und dem Militär die Strasse zu überlassen. Dass die kommenden und stattfindenden Revolten und Aufstände weitergehen werden, dass das Zusammenbruchsszenario, dass sich vor unseren Augen abspielt, nicht aufzuhalten ist… dass jede chaotische Revolte, wenn sie auch katastrophal verläuft, für uns ein Lichtblick sein wird im Vergleich zu den Bürgerkriegs- oder lockdown-Regimes, oder vielleicht sogar dem Weltkrieg (wer lacht da?!), welche jetzt bevorstehen, sei nur so subtil angedeutet. Und auch eine politische Revolution wird daran nichts ändern. Diese ganze Zivilisation sollte endlich im Orkus verschwinden, zu dieser Erkenntnis werden vielleicht bald Milliarden von Menschen gelangen. Welche sich effektiv um die Krankenhausbedingungen in Europa wenig kümmern werden, ebensowenig um den Nationaldünkel gewisser Linker, etc. Denn das tun sie jetzt schon nicht. Sie werden nämlich mehr an ihren Hunger denken und vielleicht auch an ihr komplettes Ausgeschlossensein aus der schönen hygienischen Welt wo die Corona-App oder irgendwas vergleichbares ihnen den Zugang verwehrt. Wer weiss.

Wenn der totale Gesundheitsprotektionismus kritisiert wird, dann muss das ja sozialdarwinistisch sein, sagt die Konkret. Die neueste Stufe der Enteignung, oder zumindest deren aktuelle Formalisierung, nämlich das Verbot, über den eigenen Körper und das gesundheitliche Risiko, welchem man diesen aussetzt, zu verfügen, ist ja eigentlich das, was in meinem Artikel kritisiert werden sollte. Diese Enteignung betrifft ja jetzt gerade alle, nicht nur die sogenannten Risikogruppen, welche man als Grund angibt, und welche davon in der bestehenden Gesellschaft ja immer besonders betroffen waren und sind. Und wie ja auch schon darauf hingewiesen wurde: diese Enteignung war eben auch eines der Motti der nationalsozialistischen Gesundheitspolitik: „Deine Gesundheit gehört nicht dir„.

Da die nationalsozialistische Art dieser Enteignung sich dabei eben vor allem durch ihre sozialdarwinistische Ideologie und Praxis von der heutigen unterscheidet, ist es wohl eines der letzten Argumente, welche für all die leider all zu realen „Massnahmen“, für diese despotische Masseneinsperrung, hergeholt werden können. Aber leider bleibt der ganze Solidaritätsdiskurs eine lächerliche Heuchelei. Wer es sich immer noch so zurechtreden will, als wäre mit Corona (welches auch Bestandteil der Grippe wäre, wenn es besonders gefährlich wäre – also vielleicht nicht „nur“ (was eine andere Diskussion ist), aber zumindest „eine“ Grippe) eine besonders soziale Phase der gegenseitigen Hilfe eingeleutet worden, der ist schlicht noch geblendet von propagandistischen Manipulationen welche bei linkstümlerischen Menschen scheinbar besonders gut ziehen. Oder er hat sich ein autoritäres Regime schon lange herbeigewünscht?

Zumindest persönlich respektiere ich nur die Basis der Freiwilligkeit als Grundlage zu Beziehung. Ansonsten stellt sich da schnell eine gewisse Feindseligkeit ein. Wenn nun effektiv Leute von mir Verlangen, ich solle mich um ihretwillen „zuhause“ einsperren, und ich mich weigere, und eben letztlich davon absehe, sie zu schlagen, auch wenn ich mein logisches Recht dazu behaupte, dann hat das nichts damit zu tun, dass ich diese als „lebensunwertes Leben“ betrachte. Auch wünsche ich mir keine „Herrschaft der Natur“ über sie, was auch immer das bedeuten soll. Vielmehr fände ich es durchaus schön und bin auch bereit dazu, in einer Welt der gegenseitigen Hilfe zu leben, in welcher die Realität all der „Risikogruppen“ nicht in Heime abgeschoben wird… aber ehrlich gesagt auch eine Welt, in welcher der Tod weder abgeschafft ist noch als Hauptfeind betrachtet wird, sondern als Bestandteil des Lebens. Wahrscheinlich wäre meine Utopie eine Dystopie für Bloch und Stephan Weigand und Rebecca Maskos. Die hoffen auf eine weitere Entwicklung des technologischen Albtraums, in welchem man das Leben fürs Überleben aufopfert, sei’s auf der Arbeit, im lockdown, überall… in welcher Einsperrung ein ewiger Bestandteil ist, als normal und lebenswert gilt. Nein Danke! #stayathome ist wohl in etwa das exakte Gegenteil einer „besseren, befreiten Gesellschaft„. Das „Versprechen des längsten und bestmöglichen Lebens„, ist das Versprechen welches euch das „falsche Ganze der Herrschaft“ (letzte 3 Zitate aus Konkret, Go die!) akzeptieren lässt. So scheint es zumindest.

Im Gegensatz dazu wird die Revolution wie ein Fest sein. Ein Fest das hoffentlich niemals enden wird. An dem alle teilnehmen können, „ob jung oder alt, rollend oder humpelnd, „multimorbid“ oder sehr normal“ (Konkret). Was zählt ist den Bereich der Angst zu verlassen, der Angst vor dem Tod nicht zuletzt. Denn, wie ein Sticker, welcher an vielen Strassenecken hier zu sehen ist, sagt: „Die Angst vor dem Tod raubt uns den Mut zu leben„. Und klar wird dabei gestorben werden. Klar wird dabei auch früh gestorben werden. Aber ohne die Opferung, ohne den Tod im Leben, welcher unser heutiges Leben so oft ausmacht.

Leben, nicht blosses Überleben! Für die Zerstörung der Ökonomie! Für ein Ende mit jeglicher Einsperrung!

(1) Rebecca Maskos/Stephan Weigand – Go die! -Corona crisis shows that social Darwinist ideas are taken up by left wing politic / respektive auf deutsch, laut website: Geht sterben! Die Corona-Krise zeigt, dass auch in der Linken sozialdarwinistisches Gedankengut verbreitet ist. In Konkret 7/2020. Zitate aus dem Text habe ich aus dem Englischen rückübersetzt und mich an Wortwahl nicht allzu sehr aufgehangen, schliesslich kenne ich die exakte Wortwahl nicht…