Was unsere (heimlichen) Leser*innen über uns denken, sagen und schreiben (Teil 1)

„Dass sich dieser Schund anarchistisches Wochenblatt schimpfen darf, ist bei dem transportierten Inhalt eine Beleidigung für alle Anarchist*innen. Erinnert mich immer an die Simpsons Folge ‚Homer als Restaurantkritiker‘, da die Artikel auch so klingen, als hätte ein Hund sie geschrieben.“ – NEA, Kommentator*in bei de.indymedia.

Funfact: Wir haben übrigens nie einen formellen Antrag beim Zentralkom… – nee, das war doch was anderes, ach ja, beim Sekretariat, nee, auch nicht, beim Präsidium, nee, beim Propagandaminister…, nee das auch nicht, naja, scheiß drauf, bei dem Dings, das bestimmt, wer und was sich anarchistisch nennen darf, eben – gestellt. Deshalb schimpfen wir uns – naja, wie sagt mensch? – eben einfach so anarchistisch, also weil wir uns das eben einfach rausnehmen, nicht weil wir das erlaubt bekommen hätten. Und wer sich als Anarchist*in davon beleidigt fühlt … Na dem*der steht ja auch noch ein ganz weites Feld anderer Bezeichnungen zur Verfügung, um ihre*seine Identität in (gewichtige) Worte zu kleiden. Wie wäre es zum Beispiel mit „Oberlehrer*in“ oder „Revolutionsführer*in“? Klingt als hätte das ein Hund geschrieben? Naja, mir wurde zwischendurch langweilig, daher habe ich einen zufällig vorbeikommenden Streuner an die Tastatur gelassen, aber wie du siehst macht das gar keinen Unterschied.

„Von Unrechtsbewusstsein oder Aufrufen zu Mäßigung findet sich […] keine Spur, im Gegenteil: Einschlägige Szenepublikationen wie der Zündlumpen listen mit unverhohlener Freude jede einzelne Straftat auf und fordern unverblümt zur Nachahmung auf. Aus den Artikeln spricht zum Teil maßloser Hass gegen jeden andersdenkenden und gegen unseren Staat insgesamt.“ – Joachim Herrmann, Bayerischer Minister des Inneren

Lieber Joachim, ich kann nur für mich selbst sprechen, aber aus meinen Artikeln spricht kein Hass gegen Andersdenkende. Aus meinen Artikeln spricht abgrundtiefer Hass gegen deinen Staat und jede andere Form der Herrschaft und all diejenigen, die sich zur*zum Handlanger*in der Herrschaft machen. Wärst du nicht der Chef des Verfassungsschutz, der Polizei und zudem Politiker und würdest du darauf verzichten, dir mit diesen Ämtern Diskurshoheit zu verschaffen, wir könnten gerne trotz sicherlich fundamental anderer Meinungen miteinander diskutieren. Aber schau, ich für meinen Teil habe aus den Erfahrungen anderer Subversiver mit Menschen wie dir gelernt. Mit einem Tyrann diskutieren? Du musst wissen, ich stehe historisch auf Seiten derer – rein gedanklich, versteht sich ;-) -, die Tyrannen lieber vor ihrer Zeit ins Gras beißen ließen. Und eines sollte dir klar sein, Polizeichefs standen dabei schon immer hoch im Kurs – höher noch, als Kaiser, Zaren und Könige.

„Wie oft trifft sich euer Verein in der Woche zum gemeinsamen Arschficken und Pimmel sauber lutschen? Typisch Faschistischen Hurensöhne, die nur mit Gewalt sprechen können. Und feige noch obendrauf.“ – Markus Vollmer via E-Mail

Hallo Markus, wir treffen uns des öfteren zum  – nunja, wie nanntest du das noch gleich – „gemeinsamen Arschficken und Pimmel sauber lutschen“. Das ist jedes Mal ein großes Vergnügen für alle die mitmachen. Vielleicht solltest du das auch mal probieren. Faschist*innen sind wir allerdings nicht, wir würden uns eher als Anarchist*innen bezeichnen, wie ja auch der Titel unseres Blattes andeutet. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass wir jeder Herrschaft gegenüber feindlich gesinnt sind, während Faschist*innen danach streben, mithilfe des Staates zu herrschen und anderen ihre Vorstellungen aufzwingen wollen. Dabei befürworten wir freilich dennoch Gewalt als ein Mittel zur Befreiung des Individuums, so wie auf der Gegenseite ja auch der Staat auf Gewalt setzt, um die Menschen zu unterwerfen. Wäre es da nicht ziemlich bescheuert, seinerseits auf Gewalt zu verzichten?

„Was seit ihr denn für geistig minderbemittelte??? Bisher hab ich die antifa unterstützt, aber bei euch sitzen scheinbar wikliche idioten.. ihr seit mit solche aussagen keinen deut besser als die scheiss nazis…

Fickt euch….“ – Eine Person via Windows Mail

Ob wir geistig minderbemittelt sind und in welchem Ausmaß, darüber lassen wir gerne Leute wie dich entscheiden, für uns spielt das nämlich überhaupt keine Rolle. Allerdings glauben wir, dass hier ein Irrtum vorliegt: Wir sind nicht ~die ANTIFA~. Wir sind vielmehr die Idioten, die mit diesem Staat und mit jeder Form der Herrschaft brechen wollen, anstatt diese(n) zu bewahren und das unabhängig davon, ob er nun von Faschist*innen oder von Demokrat*innen gelenkt wird. Ob das für dich nun besser oder schlechter ist, als das was ~die Nazis~ wollen, das kannst freilich nur du selbst entscheiden. Auf jeden Fall aber kannst du erleichtert sein und auch in Zukunft ~die ANTIFA~ unterstützen. Denn in einem Punkt kannst du sicher sein: Mit allen, die diesen Staat erhalten oder auch in einen kommunistischen umbauen wollen, haben wir rein gar nichts zu tun.

„Nicht tolerant, sondern borniert, verblendet und krank liest sich diese website. Dadurch wird die Welt nicht besser, sondern schlechter. Möge euch das, was ihr anderen wünscht, selbst doppelt und dreifach ereilen. Die website wird hoffentlich in Kürze dicht gemacht und strafbarer Inhalt auch bestraft. Einfach nur krank.“ – Ein BMW-Fan via E-Mail (vermutlich in Reaktion auf den Artikel „Bei Verdacht auf Corona: Einfach mal eine*n Bull*in anhusten„)

Warum sollten wir auch tolerant gegenüber denjenigen sein, die uns beherrschen? Das ist weder borniert, noch verblendet und krank sowieso nur innerhalb einer Begriffsdefinition die dazu dient, normabweichendes Verhalten zu stigmatisieren und zu unterdrücken. Vielmehr erscheint es mir erstrebenswert, denjenigen, die einer*m ihre Vorstellungen aufzwingen wollen, mit Intoleranz zu begegnen. Ob das die Welt besser oder schlechter macht, das kann und will ich nicht bewerten. Das würde nämlich erfordern, dass mensch nach der Verwirklichung eines Ideals strebt, nach dem die Welt geformt sein sollte. So wie jedoch ich nach meinen Vorstellungen leben will, will ich auch, dass jede*r andere nach seinen*ihren Vorstellungen lebt und ebenso wie ich meine Vorstellungen keiner*keinem aufzwingen will, lasse ich mir auch von keiner*keinem anderen deren*dessen Vorstellungen aufzwingen. Die Einteilung meines Handelns und des Handelns anderer danach, ob dieses eine bessere oder schlechtere Welt schafft, würde eben erfordern, dass ich meine Vorstellung davon, wie diese Welt beschaffen sein sollte, über die anderer stelle. Deshalb genügt es mir vollkommen, nach meinen eigenen Vorstellungen und im Einklang mit meinen Ideen zu handeln. Die bessere bzw. schlechtere Welt, die das in den Augen einer*eines Anderen hervorruft kann mir dabei gestohlen bleiben.

„Die veröffentlichten Texte sind eindeutig anti-staatlich und befürworten den Einsatz von Gewalt“ – Bayerischer Verfassungsschutz

Wir wissen zwar, dass das negativ gemeint sein soll, aber etwas kompromittierendes können wir darin auch nicht gerade erkennen. Insofern: Vielen Dank für die Blumen.